Beschreibung und Besonderheiten der Frauentracht im süddeutschen Raum

Die Kleidung des Frau machte zwar nicht die starke modische Entwicklung durch, wie die der Männer, auch blieb der Einfluß auf spätere Kleidung noch sehr gering, jedoch ist auch hier eine Veränderung zu früheren Zeiten deutlich sichtbar. Wie bei der Männermode verschwand hier auch die Extravaganz des 14. und 15. Jhdts weitgehend und wurde von einer Mode mit "gemäßigten" Merkmalen ersetzt, und, wiederum wie bei der Männermode, entwickelt sich im Reich - und hier wohl zunächst in der südlichen Hälfte -  ein typischer Kleidungsstil, dessen sozusagen Höhepunkt sich in der Frauenkleidung der Dürerzeit wiederfindet.

Schon nach der ersten Pestwelle, also in der Mitte des 14. Jhdt begann in der Mode eine Betonung der weiblichen Formen: die Kleider wurden bis zur Taille hin enger und bekamen einen weiteren Ausschnitt, sodaß das Dekolleté und teilweise die Schultern sichtbar wurden. Eine spätere Entwicklung, typisch für das 15. Jhdt, sind kurze rmel am eigentlichen Kleid, an die verschiedene Ansteckärmel durch Stecknadeln befestigt werden konnten, je nach Anlaß einfache oder welche aus teuerem Stoff. Eine weitere Neuerung deutet sich schon ab etwa 1440 an: die sich parallel zum Wams der Männer entwickelnden Kleider werden nicht ausschließlich aus langen senkrechten Bahnen zusammengesetzt, sondern können auch aus einem Mieder- und einem Rockteil bestehen, die hier aber noch fest vernäht werden. Die Trennung von Mieder und Rock setzt sich allerdings erst weit später, nämlich im 17. Jhdt durch.

 

Unterwäsche

Die weibliche Unterwäsche bestand im gesamten Mittelalter vor allem aus einem knöchellangen, langärmeligen Unterhemd aus Leinen, das auch als Nachthemd gedient hat. Die Beschaffenheit, die Stoffart und auch die verwendeten Nahtarten können anhand von erhaltenen Kleiderstücken nachgewiesen werden; leider ist in Bezug auf weibliche Unterwäsche kaum etwas an kompletten Kleidungsstücken erhalten geblieben, sodaß eine Rekonstruktion vor allem auf Abbildungen basieren muß. Hiernach tauchen zwei Typen des Unterhemdes vor allem auf, ein langärmeliges, fast knöchellanges Hemd und ein kürzeres Trägerhemd, das oft auch oft etwas enger geschnitten wird als das Langärmelige.

Die Regensburger Kleiderordnung erwähnt Unterhemden nur soweit, daß sie den Wert des benutzten Leinens vorschreibt:

"Dann zu den anderen padpfaitt halspfaittn schürzn hembdn und dergleichn zu dem leib gehörig sol sie kayne pesser leynbat abschneiden habn oder tragn dann die auf das aller maiste nach unser Stat ellen vier großn wert ist. Aber geringere leynbat mögn sy tragn So vil sie notturft erachtet.""

Insbesondere werden hier ein "Badepfait" und "dergleichn zum leib gehörig" erwähnt, was auf Unterwäsche deutet. Besonders der Badepfait könnte ein Trägerhemd meinen, da dieser Typus öfters in Badeszenen abgebildet wird.

Zieht man die Erwähnung der Leinwand und den möglichen Ursprung des Wortes "pfait" hinzu, der als "schön, hochwertig (die höchste Stufe der Leinwandqualität; zu franz.: "faité") angegeben wird, kann man schlußfolgern, daß "pfait" im Prinzip ein Leinenhemd oder -kleid bezeichnet, sich also eher aufs Material denn auf den Schnitt oder die Verwendung bezieht.

Obwohl nicht direkt damit zusammenhängend, kann man die Strümpfe als einen Teil der weiblichen Unterwäsche ansehen, da diese ähnlich dem Unterhemd im Alltag de facto unter der restlichen Kleidung und den Schuhen unsichtbar bleiben.

Die bei Frauen immer abgebildeten etwas über kniehohen Strümpfe wurden anscheinend überwiegend aus Stoff genäht, obwohl die Technik des Strickens an sich bekannt war. Gestrickte Strümpfe tauchen gehäuft allerdings erst im 16. Jhdt auf. Bei der Rekonstruktion liegt hier aber der Vorteil, daß sowohl recht genaue Abbildungen vorhanden sind, wie auch erhaltene Strümpfe aus dem gesamten Mittelalter die Form hat sich, folgt man den Abbildungen, kaum bis gar nicht verändert. So kann man recht einfach auf die verwendeten Materialien wie Techniken schliessen: das verwendete Material ist fast immer Wolle, was die archäologischen Funde stützen, es tauchen aber auch Strümpfe aus Leinen oder Seide auf. Um Dehnbarkeit zu gewährleisten, wurden Strümpfe, genau übrigens wie Beinlinge oder Hosen, im 45° Winkel zum Fadenverlauf zugeschnitten und meist aus köpergewebtem Stoff hergestellt. Die Strümpfe wurden durch Strumpfbänder unter dem Knie fixiert, um das Herunterrutschen zu verhindern.

 

Das Unterkleid oder Alltagskleid

Im Gegensatz zur Männermode, hier im besonderen zu Wams und Hose, hat das Alltags- oder Unterkleid keine so große Veränderung im Laufe des 15. Jhdts vollzogen. Seit dem späten 14. Jhdt ist das Unterkleid bis zur Hüfte körperbetont geschnitten und wird erst ab der Hüfte weiter, um bequemes Gehen zu ermöglichen. Die körpernahe Paßform wird durch eine Schnürung erreicht, die zuerst nur vorne, dann ab etwa 1460, vermutlich durch modische Einflüsse aus Italien nach Deutschland gekommen auch an beiden Seiten auftauchen kann (dies ersetzt dann die Frontschnürung). Die im 14. Jhdt langen rmel werden kurz, meist nur 3/4 vom Oberarm bedeckend. Dazu kommen bis zum Handgelenk reichende Ansteckärmel auf, die frei getauscht werden können; so ist der Wechsel zwischen einem einfachen und einem besseren Kleid einfach und günstig zu bewerkstelligen, zumal, wenn ein Rock darüber getragen wird, nur die Enden der Ansteckärmel sichtbar werden. Leider sind keine Ansteckärmel erhalten, in zeitgenössischen Darstellungen tauchen diese jedoch in einfachen Versionen (vermutlich aus Wolle oder Leinen, wie die Kleider selbst), wie auch aus Seide oder Seidenbrokat gefertigt auf. Ãœbrigens wurden, wiederum Darstellungen aus der Zeit folgend, die Ansteckärmel eigentlich immer getragen, einzige Ausnahmen sind hier anstrengende Tätigkeiten, durch die die Ansteckärmel arg verschmutzt werden würden.

Auch bei den Ansteckärmel wurde reglementiert, konnte frau damit doch einen weit größeren Reichtum vortäuschen, als sie in Wirklichkeit besaß:

"Die Ermel under den geflügelten Röckn (s. unten, geflügelter Rock = Ãœberkleid mit Schleppe) sulln sy nit pesser tragn dan von Damascat oder Zendltort und von der gleich Seydn mögn sy aich goller tragn [...]"

Der meistbenutzte Oberstoff für ein Alltagskleid war wohl Wolle, da diese sowohl überall wie auch in verschiedensten Farben und Qualitätsstufen verfügbar war.  In Polizeiordnungen der Zeit  tauchen immer wieder Vorschriften auf, die den Wert des Wollstoffs einschränken, meistens beziehen sie sich auf importierte Tuche wie Arras; Farbvorschriften werden keine gemacht. Das es aber durchaus auch Alltagskleider aus Leinen gab, erwähnt die Regensburger Kleiderordnung explizit, indem sie den Wert des Leinens vorschreibt. Zunächst im Abschnitt zu den Frauen und Töchtern der Angehörigen des Stadtrats:

"[...]den obgenannten frauen und Junckfraun kaine mer dan drey tanz pfait oder Summer pfait habn sülle und derselbn aine Sol auch nach alln yrem wert und zeug der daran ist nach gemaynen pillerg schatzung nit pesser sein den auf das allermeist acht guldn wert. Dann zu den anderen padpfaitt halspfatitn schürzn hembdn und dergleichn zu dem leib gehörig sol sie kayne pesser leynbat abschneidenhabn oder tragn dann die auf das aller maiste nach unser Stat ellen vier großn wert ist. Aber geringere leynbat möhn sy tragn So vil sie notturft erachtet.""

Und für alle anderen Frauen:

[...]das ire Summer pfait nicht von pessere leynbat süllen sein den ain uns Statelln nach rechtn gemaynen lauff und anslag sine iiii groß geschätzt wird, doch das der selbn pfaittn aine mit allem dem das daran ist über iiii guldn nit wert sey. Andere ire pfaittn und leynerne klaider sulln sy tragn von leynbat die über iii groß nicht wert ist[...]""

Auch das Testament von Barbara Lechinn aus Regensburg von 1428 erwähnt zwei Pfaite, die vererbt werden sollten und daher durchaus einen Wert darstellten:

"[...]dem schulmaister auf dem Tum meiner gelben pfait aine, die lägsten zu einem korroch [...] mein prewtpfaidt [...]"

Eine wirklich Neuerung in der Zuschnittechnik, die etwa ab 1440 auftaucht und schon auf weit modernere Kleidungsstücke deutet, ist der beim Kleid angesetzte Rockteil. Statt wie bisher aus langen Bahnen, kann der untere Teil des Kleides nun angestückelt werden, wird dabei sehr häufig in viele Falten gelegt. Damit entspricht das Unterkleid im Aufbau der Wams&Hose Kombination bei Männern, nur das hier Mieder- und Rockteil noch durch eine Naht verbunden sind. Die wirkliche Trennung der beiden Kleidungsstücke vollzieht sich erst im 17. Jhdt.

 

Rock und Mantel

Das Pendant zur Schecke des Mannes und gleichzeitig das Kleidungsstück, bei dem man am meisten auf Repräsentation bedacht war, war in der Kleidung der Frau der Rock, oder, mit modernem Begriff, das Überkleid. Wie der Männerrock hatte das Ãœberkleid zwei Funktionen: zum einen die Trägerin zu wärmen und vor Wetter zu schützen und zum anderen ihren Wohlstand zu repräsentieren. Nimmt man erhaltene Testamente  als Anhaltspunkt , so kann man relativ sicher davon ausgehen, daß eine durchschnittlich gestellte Frau in einer spätmittelalterlichen Stadt mehrere Überkleider besaß, die sich in der Machart und im Wert unterschieden, je nach Zweck. Auch schreiben Kleiderordnungen oft den Wert und die Anzahl von Überkleidern vor,  man könnte also durchaus argumentieren, daß eine solche Beschränkung teilweise auch nötig war. Durch die zum Teil doch recht genauen Gebote und Verbote kann man den groben Rahmen des Kleidungsstücks aber ganz gut erfassen. Hier zum Beispiel die Details, die sich aus der Regensburger Kleiderordnung für die "geimeinen Frauen" (hier: denen, die nicht zu Ratsfamilien gehören) herauslesen lassen:

"Es sol auch aine nit mer habn dan vier röck guter und pöser, dergleich drey lang mäntl auch gut und pöser, und ob sy under den flügeln an den Röcken oder under den mäntln Seidn wolln tragn, die sol über den postzendel nit sein."
 
"Der überzug dere Schaubn sol nicht über Arras sein, der underzug nicht über füchslein, die präm von Rauchen soll nicht über vehwammen sein."
 
Schon an der hier erwähnten Stoffvielfalt sieht man die Bandbreite, die rein durch verschiedene Stoffarten möglich war, dazu kommen noch einige unterschiedliche Schnittvarianten, die man aus zeitgenössischen Abbildungen entnehmen kann. So kann die Weite der rmel deutlich von eng bis sehr weit rangieren, auch ist der Faltenwurf und damit auch die Weite des Kleides von den Schultern bis zur Brust unterschiedlich, und auch die Ausschnitt- bzw. Kragenformen wechseln. Was alle Modelle aber gemeinsam haben, ist der weite Rockteil, der sich schon unter der Brust deutlich verbreitet und genug Stoffülle bietet, um zu wärmen und genug Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Um das Gewicht des Kleides, das bei mit Pelz gefüttertem Wollstoff durchaus spürbar werden kann, für die Trägerin angenehmer zu machen, wurden Ãœberkleider mit einem separaten Gurt unter der Brust verschlossen. Dieser hebt sich in der Art von den breiten und reicht verzierten Gürteln für burgundische Houpplanden ab, im süddeutschen Raum ist er eher schmal, eher selten mit Beschlägen verziert und recht kurz, sodaß er nur etwa eine Spann Ãœberlänge hat, die lose herunterhängt.

Ein weiteres außen getragenes Kleidungsstück der Frau ist der Mantel, ein Umhang, der über dem Rock getragen wurde. Er wird in Kleiderordnungen immer parallel mit dem Rock genannt, sodaß die gleichen Vorschriften in puncto verwendeter Stoff und Pelzfutter für beide gelten. Dies leitet sich vermutlich aus der Tatsache ab, daß die Außenwirkung beider Kleidungsstücke auf einen Betrachter gleich ist. In zeitgenössischer Kunst finden sich Mäntel vor allem in zwei Kontexten: bei der Darstellung religiöser Szenen oder Topoi (bestes Beispiel hier ist die "Schutzmantelmadonna") wie auch bei Darstellung von „gut situierten“ Frauen in der Kirche. Die Mäntel werd hier meist als weiter, vermutlich Kreismantel, dargestellt, die durch eine Brosche oder einen Knopf am Hals vorne geschlossen werden; bei religiösen Darstellungen tauchen auch die aus dem Hochmittealter bekannten Tasselmäntel auf, die jedoch z.B. in Stifterdarstellungen völlig fehlen.

 

Hauben und Frisuren

"Jede verheiratete Frau trug im Mittelalter eine Haube“ daher auch der Spruch ˜Unter die Haube kommen˜ -  so oder so ähnlich klingt eine immer wieder verbreitete Pauschalaussage über die weibliche Kopfbedeckung im Mittelalter. Ganz falsch ist sie nicht, denn ein Großteil von Frauen trug fast immer ihre Haare bedeckt, aber auch nicht ganz richtig, denn es gab auch Ausnahmen in beide Richtungen.

Daß ein Großteil der weiblichen Bevölkerung vom frühen Mittelalter bis ins 20. Jhdt hinein ihre Haare bedeckt trug, kann man an Abbildungen, Photos und erhaltenen Hauben und Kopftüchern leicht belegen. Für das späte Mittelalter trifft dies genauso zu: schaut man sich zeitgenössische Abbildungen an, so findet man 90% der Frauen mit einer Art Kopfbedeckung. Nimmt man hier die biblisch beeinflussten Darstellungen heraus, da bei diesen die Kopfbedeckung oft eine Form oder Bedeutung hat, die durch den Kontext der jeweiligen Bibelpassage vorgegeben wird und nicht der Wirklichkeit entspricht, so findet man bei Darstellungen von Frauen in der Stadt oder auf dem Lande eine riesige Vielfalt an verschiedenen Kopftüchern, Schleiern, Turbanen und Hauben.

Diese wurden von allen Bevölkerungsschichten und Altern getragen, es ist also falsch pauschal zu sagen, daß nur Verheiratete eine Kopfbedeckung trugen, während unverheiratete Frauen ihre Haare offen trugen - es gibt durchaus auch Darstellungen von jungen Frauen oder gar Mädchen, die eine Haube oder ein Schleiertuch tragen. Die Kopfbedeckung hat hier, ähnlich wie beim Mann, vor allem den Zweck, die Trägerin vor Ungeziefer zu schützen, den Kopf zu wärmen und die langen Haare zu schützen. Noch mehr als bei Männern dienten Hauben und Schleier bei Frauen auch als ein modisches Accessoire und Zierrat, das oft einen beträchtlichen Wert hatte. Aus diesem Grund vermerkt hier auch die Regensburger Kleiderordnung:

"Wir verpietn In auch all Slayre der ainer mer wert ist dan viij guldn und erlaubn In derselbn die acht guldin und mynder gelltn. Doch so sol Ire aine der Schlaire die acht guldin wert sin nit ,er dann drey habn fur ain person. Es sol auch in solchs Slayre den den leystn kaine mer verwuerken lassn den i unz goldes und in die geringeren Slaire und in dy Steuchlein auf das allermaist ain viertail einer unz und nicht mere."

Und für die "gemeinen Frauen" galt:

"Zum neundn So verpietn wir auch den yetzbenantn frauen und Junckfraun, das Ire kaine kainen Slayre habn oder tragn sülle der uber vier guldn wert ist. Dere mag sy ainen habn bey yetzgemelten wert und all ander Ire paumwöllenen Slayre sulle auch nit pessr sein dan vier guldn wert. Und wölln das dy leisten in den pestn Slayre über ain viertail ainer unz golds nit haben sülle. Setzen und gebietn auch dapei das sy in Iren Steuchlein gar kain unzgolde tragn sülle."

Eine besondere Form der Haube, die vor allem im süddeutschen Raum auftaucht, ist die Fächerhaube oder regensburgerisch Steuchlein, die sich später zur Wulsthaube der Dürerzeit entwickelt. Sie wird im Prinzip aus einer langen Stoffbahn um den Kopf gewickelt, sodaß der Webrand immer  etwas nach hinten versetzt, über der Stirn kleine Stufen, die sog. Fächer bildet. Je mehr Fächer, desto mehr Stoff wurde verwendet, desto teurer ist die Haube; aus diesem Grund beschränken einige Kleiderordnungen die Anzahl der Fächer.

Daß Frauen aber auch mit unbedeckten Haaren das Haus verliessen, zeigen ebenfalls durchaus nicht wenige zeitgenössische Abbildungen. Hier sind die Haare meist zu einem dicken, kunstvollen Zopf geflochten, der eng um den Kopf gelegt wird, lange offene Haare tauchen hingegen bei Alltagsabbildungen fast gar nicht auf. Zu einer solchen Zopffrisur wurde, zum großen Teil übrigens ohne ein Kopftuch, das Gefrens getragen, ein Schmuck aus meist Seidenfransen, der unter dem Zopf am Hinterkopf gebunden wurde und dessen Fransen bis in den Nacken reichten. Auch hier wurde anscheinend die Gelegenheit genutzt, Reichtum und Prunk zur Schau zu stellen, denn auch hier greift die Regensburger Kleiderordnung regelnd ein:

"Wir verpietn In auch all Räche od fransen von perlen gold oder Silber und erlaubn in allain die Seydn fransen von ainerlay oder mererlay farben, mögn auch die undersprengn mit unzgold oder örter von unzgold darein machn, doch das des unzgolds zu ainem fransn nit mer dan ain fierding ainer unz genommen werd."

Im Gegensatz zu früheren Zeiten tauchen für das späte 15. Jhdt und für den süddeutschen Raum Gugeln weder auf zeitgenössischen Abbildungen noch in den verschiedenen Textquellen als Teil der weiblichen Mode oder als Schlechtwetterbekleidungsstück auf. Leider sind Abbildungen von Frauen auf Reisen äußerst rar, bei schlechtem Wetter umso rarer, sodaß man hier kaum einen validen Schluß ziehen kann, was wie getragen worden ist. Bei der derzeitigen Beleglage liegt aber die Vermutung nahe, daß eine Gugel, egal in welcher Form, von Frauen nicht mehr getragen worden ist.

Eine reine, auf wenige Abbildungen gestützte Vermutung ist, daß Frauen auf Reisen bei schlechtem Wetter Filzhüte, ähnlich denen der Männer, über der normalen Haube getragen haben, um den Kopf trocken zu halten. Ein Beispiel hierfür ist die Abbildung eines reisenden Paares aus Regensburg aus der 2.Hälfte des 15. Jhdts: die Frau hier trägt einen dunklen Kurzumhang über den Rock, sowie einen ebenfalls dunklen Filzhut über ihrer Haube.

 

Fußbekleidung

Eine weiteres Vorurteile über das Mittelalter ist, daß die meisten Leute, die damals lebten, zu arm waren, um sich Schuhe leisten zu können und deshalb in den vermeintlich billigeren Holzschuhen herumliefen oder sich gar nur Lumpen oder Lederstücke um die Füße wickeln mußten.

Das muß aber anhand von zeitgenössischen Abbildungen und vor allem der Masse an mittelalterlichen Schuhfunden, die im deutschen Raum gemacht worden sind, definitiv verneint werden. Schuhe waren kein Luxusartikel, sondern für alle und jeden erschwinglich; Abbildungen von barfüßigen Menschen tragen meistens eine bestimmte Bedeutung, zum Beispiel um die Bußfertigkeit oder Askese eines Menschen aufzuzeigen. Natürlich gab es neben einfachen, billigen Schuihen auch welche für den größeren Geldbeutel - eine Sachem, die heute aber nicht anders ist.

Der mittelalterliche Schuh ist in der Wendetechnik hergestellt, d.h. Oberleder und Sohle wurden auf Links vernäht und dann gewendet, sodaß die Sohlennaht nicht dem Strassenbelag ausgeliefert war und länger gehalten hat. Durch diese Technik bedingt, konnte die Sohle nicht allzu dick sein, da ab einer bestimmten Dicke das Wenden nicht mehr möglich ist. Dieses Manko wurde aber beseitigt, indem man die Sohlen von unten durch das Aufnähen von Sohlenflicken aus dickerem Leder verstärkte und so ihre Lebensdauer verlängerte.

Soweit man es an den Schuhfunden aus Mittel- und Nordeuropa feststellen kann, gab es keine regionale Mode bei Schuhen, die gleichen Formen finden sich in Schweden, England, Deutschland und Polen. Auch eine Unterscheidung in Männer - oder Frauenschuhe ist bei den meisten erhaltenen Modellen, nicht möglich, da zeitgenössischen Abbildungen zu Folge die meisten Typen von beiden Geschlechtern getragen worden sind. Einzige Ausnahme sind höhere Stiefel, die nur von Männern getragen wurden.

Vorherrschend beim Gros der Bevölkerung waren flache bis leicht über den Knöchel gehende Schuhe mit mäßiger Spitze, die entweder durch Senkel oder Schnallen geschlossen worden sind - diese Modelle haben sich teilweise über 150-200 Jahre gehalten. Ein einfacher knöchelhoher Schuh ist übrigens im Historischen Museum in Regensburg ausgestellt, der Fund stammt aus einem Fehlboden im Alten Rathaus.

Wie auch bei Männerschuhen, kann man Schuhe, die von Frauen getragen worden sind, eher nach ihrer Nutzung bzw. dem Wohlstand der Trägerin unterteilen: Bäuerinnen trugen feste, über den Knöchel gehende Schuhe mit Sohlenverstärkungen, während Wohlhabendere leichte Riemchenschuhe mit etwas längerer Spitze bevorzugten. Auch hier greift die Regensburger Kleiderordnung mäßigend ein:

"Zum Sybenden So verpietn wir alln und yeden frauen und junckfrauen dy langn Spitze an den Schuhn und Sockeln und [...] setzen und wölln daß nun füran Ire kaine an Iren Schuhn oder Sockeln laine lengere Spitz tragn sülleob sy dere yre nicht vurpeten wil dan ains ving gelids lang [...]"

Um vor allem die besseren Schuhe vor dem Dreck und Unrat auf den Strassen zu schützen, wurden darunter hölzerne Trippen getragen, eine Art Holzsandale bestehend aus einer Holzsohle und einem oder mehreren Lederbändern, in die der Schuh bequem schlüpfen konnte. Auch hier gab es, je nach Schuhform, zu der sie passen sollten, einige verschiedene Formen, mal mit nur einem Lederriemen über dem Fußballen, mal mit einer zusätzlichen Fixierung um den Knöchel - die Trippe hatte dann ein Gelenk unter dem Ballen, um bequemes Gehen zu gestatten.

 

Quellen und Literatur

  • Regensburger Kleiderordnung von 1485, Gemeiners Nachlaß K.16, HSTA München
  • Pfälzer Kleiderordnung von 1465, HStA München, Neuburger Copialb. Bd. 10, Fol.242.
  • Joseph Baader, Nürnbegrer Polizeiordnungen des XII: bis XV: Jahrhunderts, (Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart, Bd.63), Stuttgart 1861, Download bei Wikimedia Commons
  • Liselotte C. Eisenbart, Kleiderordnungen der deutsche Städte zwischen 1350 und 1700, Göttingen 1962, S. 147f.
  • Tomasz Nowak, Die Regensburger Kleiderordnung von 1485 - Einordnung und Transkription (derzeit in Ãœberarbeitung, bald wieder verfügbar)
  • C.Willett, Phillis Cunnington, The History of Underwear, New York 1992, S. 23ff
  • Else Ostergard, Woven into the earth: Textiles from Norse Greenland, Aarhus 2004.
  • Christiane Schnack, Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz (Landesdenkmalamt Baden-Württemberg. Materialhefte zur Archäologie. Bd. 26), Stuttgart: 1994.
  • Ilse Fingerlin, Der Lederabfall, in: Matthias Untermann, Die Latrine des Augustinereremiten-Klosters in Freiburg im Breisgau (Landesdenkmalamt Baden-Württemberg. Materialhefte zur Archäologie. Bd. 31), Stuttgart 1995.