Unser Konzept einer Burgbelebung auf Schloß Rochlitz in Sachsen. Die für 2013 geplante Veranstaltung ist zwar wegen Hochwasser in Rochlitz ausgefallen, jedoch wollen wir in Zukunft einen neuen Versuch wagen, die Veranstaltung zu verwirklichen.

Zum ersten Mal veranstalten wir, in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Verwaltung der Schlösser, Burgen und Gärten Sachsens und der Schloßverwaltung, im Rahmen des Fürstentages eine Burgbelebung, die auch was Neues sein soll: den Besuchern soll ein lebendiges Bild des Alltags auf einer Burg präsentiert werden, d.h. alle vorgeführten Tätigkeiten spiegeln Apsekte des alltäglichen Lebens auf einer hochherrschaftlichen Burg, wie es die Rochlitz am Ende des 15. Jhdts war, wieder.

Der von uns dargestellte Zeitraum umfaßt die späten 1470er bis frühen 1480er Jahre, die Zeit also, in der die sächsischen Fürstensöhne auf der Rochlitz weilten und auch die bayerische Herzogenwitwe Amalia von Bayern (Mutter Herzog Georg des Reichen von Bayern-Landshut, bekannt durch die Landshuter Fürstenhochzeit) die Burg als Witwensitz übernahm. Auch wenn wir die historischen Persönlichkeiten selbst nicht nachstellen werden, so wollen wir doch ein umfassendes Bild des Lebens, vom von Amalia bestellten Burgverwalter bis zu Knechten und Mädgen präsentieren.

Unser Ziel ist hierbei, den Besuchern nicht nur kleine Aspekte des Lebens damals zu erklären ("Womit wurde Rüstung poliert?", "Womit wurde gegessen?","Wie war ein mittelalterklicher Schuh aufgebaut?"), sondern ein größeres stimmiges, und hoffentlich sehr lebendiges Bild davon zu bieten, wie das Leben auf einer größeren Burg um das Jahr 1480 aussah, was die einzelnen Bewohner taten, wie sie miteinander umgingen, wie der Kontakt nach außen war, und vieles mehr. Und auch zu zeigen, daß viele der heute verbreiteten Clichées, die wir heute vom damaligen Leben haben, einfach nicht stimmen, angefangen von schmutzstarrenden, in grau-braunes Sackleinen gekleideten und ungepflegten Knechten bis zu willkürlich handelnden und stets zu Gewalt neigenden Adeligen in einer gewaltbereiten und von Gewalt bestimmten Gesellschaft - also Bildern, die uns gerade Historienfilme der jüngeren Vergangenheit glauben machen wollen. Diesen wollen wir ein auf zeitgenössische Quellen und wissenschaftliche Forschung gestütztes Bild des Alltags um das Jahr 1480 entgegensetzen, in dem vielleicht der eine oder andere Besucher Parallelen zum Alltag von heute finden kann.

Die Veranstaltung ist noch in Planung, ein Programm an sich wird es nicht geben, bzw. nur soweit, soweit der Alltag vor 530 Jahren sich an zeitlichen Terminen orientieren mußte. Sobald wir aber besondere Programmpunkte festmachen können, werden wir diese hier mit aufführen.

Hier einige Bilder von unser ersten Begehung der Burg; hier waren sowohl noch archäologische Grabungen im Burghof wie auch Restaurierungsarbeiten im Gange - beides ist mittlerweile beendet.

Literatur:

  • Udo Baumbach, Schloß Rochlitz. Fürstliche Residenz - Witwensitz - Verbannungsort, Leipzig 2002.
  • Joachim Zeune (Hrsg.), Alltag auf Burgen im Mittelalter (Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung e.V., Reihe B, Bd.10), Braubach 2006.
  • Helmut Hundsbichler (Hrsg.), Adelige Sachkultur des Spätmittelalters. Internationaler Kongress Krems an der Donau 22.-25.Sept. 1980 (Veröffentlichungen des Instituts für mittelalterliche Realienkunde Österreichs Nr.5), Wien 1982.
  • Stacy F. Roth, Past into present. Effective Techniques for First Person Historical Interpretation, University of North California, 1998