Kleine Notiz zu blauen (Männer-) Unterhosen. Sozusagen ein Blick auf die kleinen, meist verborgenen Dinge des alltäglichen Lebens.

Unterwäsche, also Unterhemden und Unterhosen, werden in spätgotischen Abbildungen fast immer als weiß dargestellt. Beschreibungen und Funde (.z.B. seien hier als neueste Funde die aus Schloß Lengberg erwähnt) unterstreichen dies und deuten auf Leinen als Material für Unterwäsche. Dies erscheint auch sinnvoll, da Leinen heiß waschbar ist, ohne die Form & Struktur zu ändern. Zumal bleicht Leinen beim Trocknen, z.B. auf einer Wiese, aus, sodaß auch anfangs naturgraues Leinen schnell weiß wird.

Die einzige Ausnahme hier bilden - wenn man rein verschiedenen Abbildungen traut - hell bis mittelblaue tangaförmige Unterhosen für Männer, die man relativ häufig abgebildet findet. Diese werden von allen Gesellschaftsschichten getragen und tauchen z.B. auf Altargemälden sowohl bei Heiligen als auch ihren Henkern auf, werden meist offen getragen, blitzen aber auch mal im Spalz zw. Hose und Wams als blaue Linie durch. Auch ist die Malweise so gestaltet, daß man nicht davon ausgehen kann, daß sie später, aus möglichem Schamgefühl späterer Generationen ob der auf einem Altar dargestellten spätgotischen Nacktheit, hinzugefügt worden sind. Ebenfalls begegnen uns diese blauen Unterhosen in Bilderhandschriften, wo eine spätere Retuschierung zwar nicht unmöglich, aber doch sehr unwahrscheinlich ist.

 

Hier unser Modell, vom Schnitt her den Funden aus Schloß Lengberg folgend:

 

 

Weitere Bilder und Quellen: