Rekonstruktion rot-weißer Filzhüte der Regensburger Stadtknechte, die zum Anlaß des Großen Christentages 1471 auf Stadtkosten angeschafft und verteilt worden sind.

Anders als noch 100 Jahre früher, war besonders in der zweiten Hälfte des 15. Jhdt farbig geteilte Kleidung, so genanntes mi-parti, nicht in der alltäglichen Mode üblich. Mehrfarbige, meist senkrecht in die einzelnen Farben unterteilte Kleidungssstücke sind zwar auf vielen zeitgenössischen Abbildungen zu finden, deuten aber immer auf eine Art offizieller Kleidung oder eine Hoftracht, durch die der Träger als Dienstmann eines Fürsten oder im Dienste einer Stadt stehend gekennzeichnet werden soll. Die zweite Funktion ist, Personen zu kennzeichnen, die außerhalb der Gesellschaft standen, so z.B. Henker.

Beim Lesen eines Artikels von Max Tewes über die vom Ludwig dem Reichen von Bayern-Landshut erlassene Hoftrachtbestimmungen stieß ich auf einen Passus, der die von 260 Regensburger Stadtknechten während des Großen Christentages 1471 getragenen rot-weißen Hüte erwähnt. Eine Suche in Gemeiners Regensburger Chronik und in den Stadtrechnungen von 1471 im Hauptstaatsarchiv in München brachte den folgenden Eintrag zu Tage:

"[...]Wir gabn dem Jenko Hueter um cclx huete den fußknechtn die stets auff der Gasse gingen je fur eynen hut vi pfennig und von iedem hut roth und weis zu färbn viij hälbling [...]".

Die Vermutung, daß es sich bei den hier bestellten Hüten um Filzhüte handelt, kann man aus 2 Tatsachen herleiten: zum einen ist der Hu(e)ter (=Hutmacher) derjenige, der nur feste Hüte aus Filz herstellt - zum Beispiel werden in der Mendelschen Zwölfbrüderchronik die Hutmacher nur mit dieser Art Hut dargestellt. Zum anderen finden sich mehrfarbige Filzhüte im militärischen/ offiziellen Kontext durchaus in der erhaltenen Ikonographie, so zum Beispiel im Wolfssegger Hausbuch. Eine solche Machart erscheint daher recht plausibel.

 

 

Detailbilder und Quellen:

 

  • HStA München, Gemeiners Nachlaß Karton 9 (1470/71)
  • Max Tewes, Ain varb, darein wir uns unser hofgesind beclaiden, in: Ritterwelten im Spätmittelalter. Höfisch-ritterliche Kultur der Reichen Herzöge von Bayern-Landshut; Landshut 2009, S. 33ff
  • Christopph Graf zu Waldburg, Wolfsegg, Mars and Venus. The World of the Medieval Housebook, München 1998, S.59 und 97.