Im Zuge des von Kaiser Frierich III. 1474 in Nürnberg ausgerufenen Reichsaufgebotes zum Entsatz der burgundisch belagerten Stadt Neuss haben die meisten Reichsstädte und viele Landesherren ihre Aufgebote geschickt. Viele, aber nicht alle: die ehrenwürdige Stadt Regensburg schickte 2 Zelte, inkl. einer Rechnung. Eine Miszelle zum Regensburger Beitrag zum Neusser Krieg.

Nach den desaströsen Heerzügen gegen die Hussiten in den Jahren 1425 bis 1431, an denen auch grosse Augebote aus Regensburg teilnahmen, erhielt die Stadt von Kaiser Sigismund das Privileg, nur noch für den Kampf gegen Ketzer oder Erzfeinde ein Aufgebot stellen zu müssen. Vermutlich war der Hintergedanke hier, Truppen gegen ein späteres Erstarken der Hussiten bzw. für einen geplanten Kreuzzug gegen die Türken in der Hinterhand zu haben.

Leider (aus kaiserlicher Sicht) war dieses Edikt weiterhin gültig, als Friedrich III den Heereszug gegen Karl von Burgund ausrief und so war unser Beitrag dazu lediglich 2 Zelte, in den Regesta Imperii "herhütten" genannt. Hier eine Zusammenfassung der Korrespondenz, denn anscheinend gab es einige Kommunikationsprobleme...

Regest 297, vor 6.Dezember 1474:

Kaiser Friedrich befiehlt dem Kämmerer un der Stadt Regensburg, ihm für den Heerzug gegen den Herzog von Burgnd 2 Zelte ("herhütten") zu schicken.

 

Regest 298, 6. Dezember 1474:

Kaiser Friedrich bringt Kammerer und Rat der Stadt Regensburg sein Befremden und Mißfallen (das uns dann nicht unpillich befremdet und zu misfallen kompt) darüber zum Ausdruck, daß sie seiner kürzlichen Aufforderung, ihm für seinen Feldzug gegen den Hz. (Karl den Kühnen) von Burgund zwei Heereszelte (herhütten) zu schicken, bisher noch nicht nachgekommen seien. Da er im Rahmen seines Zuges diese benötige, befiehlt er ihnen nochmals bey verliesung der pene und bussen, wie sie in seinen, vormals an sie ergangenen Gebotsbriefen enthalten seien, ihm die beiden Zelte unverzüglich zuzusenden. Andernfalls wird er gegen sie mit den angedrohten penen, bussen und in ander wege vorgehen, wie es sich gegen ungehorsamen unnser keyserlichen maiestat und des heiligen reiches gepüret. An sand Nyclas tag.

Kop.: Zeitgen. Abschrift im BayHStA München (Sign. RL Regensburg 679, fol. 229v, 230r), Pap.

Laut Merkzettel im StadtA Regensburg (Sign. Hist. I, 1, fol. 353r) wurde dieses Schreiben dem Kämmerer der Stadt Regensburg feria 5a ante circumcisionis (1474 Dezember 29) übergeben. Vgl. hierzu auch die Antwort der Regensburger ebd. unter der gleichen Sign. (fol. 230r-231r) und den Eintrag in den Stadtrechnungen im StadtA Regensburg (Sign. Cameralia 17, fol. 91v): Item es lief Wilhalm pot mit brifen zu dem caiser gein Andernach, im auf sein schreiben meinen herrn von der herhütt wegen ein antwurdt zu geben ... Epiphanie domini (1475 Januar 6)

 

Regest 301, 13. Januar 1475:

Kaiser Friedrich schreibt Kammerer und Rat der Stadt Regensburg erneut wegen der erbetenen Heereszelte. Da sie ihm mitgeteilt hätten (s.u.), sein erstes Schreiben in dieser Angelegenheit nicht erhalten zu haben, begnügt er sich mit ihrem Erbieten, die Zelte möglichst bald an ihn zu schicken und dankt ihnen hierfür. Freytag nach sand Erhardten tag

Kop.: Zeitgen. Abschrift im BayHStA München (Sign. RL Regensburg 679, fol. 231r, 231v), Pap.

Das Schreiben des Rats von 1474 Dezember 31 (in vigilia circumcisionis domini) ist überliefert im BayHStA München (Sign. RL Regensburg 679, fol. 230r-231r).

 

Regest 302, 28. Januar 1475:

Kaiser Friedrich bestätigt Kammerer und Rat der Stadt Regensburg den Empfang der beiden Heereszelte und sagt ihnen Dank. Am sambstag nach sand Pauls tag bekerung

Kop.: Zeitgen. Abschrift im BayHStA München (Sign. RL Regensburg 679, fol. 233v), Pap.

Vgl. hierzu auch die Eintragungen in den Regensburger Stadtrechnungen im StadtA Regensburg (Sign. Cameralia 17, fol. 92r): Item wir liessen machen, schuffen mein herren, ein herhütten, die man unserm herrn dem caiser in das her gein Neyß sanndt, da gaben wir umb zwieling, ruppfen, stangen, strikch und arbaitt und umb alles, das darczu gehort, das dann in der merkzettel stet, 33 gulden r. und gaben von der hütten zu furn pis gein Andernach 14 gulden r. mer ... macht alles 18 lb 23 d.

 

Soweit zur Zeltsache. Ganz so lapidar war dann der geforderte Beitrag Regensburgs nicht, denn, obwohl die Stadt von Steuern wie auch einem Aufgebot verschont worden ist, so erbat sich Friedrich von der jüdischen Gemeinde in Regensburg eine Kriegsanlage von 4000 fl. Als diese Summe, die den Besitz der Regensburger Juden überstieg und auch die Vermittlungen des Stadtrates nicht halfen, erging ein erneuter Befehl seitens Friedrichs:

 

Regest 303, 29. Januar 1475:

Kaiser Friedrich bringt den Regensburger Juden gegenüber sein merkliches missvallen zum Ausdruck, da sie die geforderte Geldsumme für den Krieg gegen den Hz. (Karl den Kühnen) von Burgund immer noch nicht an ihn bezahlt hätten und befiehlt ihnen abermals, bei versperrung ewrer sinagogen und verliesung aller genaden, freyheiten, brivilegien und gerechtigkeitten ... auch aller geltschuld, pfandtschafft, zins und gült das Geld unverzüglich an seinen Diener und hofgesind, Doktor Caspar von Wernau, an seiner Statt zu übergeben. Sollten sie dies nicht tun, so werde er ohne weitere Aufforderung alle Reichsangehörigen, die Schuldner von ihnen seien, ihrer Schulden ledig erklären. Am sontag nach sand Pauls tag

Kop.: Zeitgen. Abschrift im BayHStA München (Sign. RU Regensburg 1475 Januar 29 [Gemeiners Nachlaß 11]), Pap.

 

Regest 304, 29. Januar 1475:

Kaiser Friedrich teilt Kämmerer und Rat der Stadt Regensburg mit, daß er die von den Regensburger Juden zum Widerstand gegen den Hz. (Karl) von Burgund zu ere, rettung und behaltung deutscher lannde und bewarung zukünfftigs schadens eingeforderte Geldsumme immer noch nicht erhalten habe, was ihn merklichen befremde. Er habe den Juden erneut geschrieben und ihnen bei mercklichen penen befohlen, das Geld unverzüglich an seinen Diener und hofgesind, Doktor Caspar von Wernau, für ihn zu bezahlen. Er gebietet ihnen, den Regensburgern, deshalb bei Vermeidung seiner und des Reiches schwerer Ungnade, Caspar von Wernau bei der Eintreibung des Geldes zu unterstützen und, sollten die Juden weiter ungehorsam sein, deren leib und gut von unnser und des heiligen reiches wegen zu hannden zu nehmen. Am sonntag nach sant Pauls tag.

Nach dieser doch recht harschen Aufforderung konnte man sich einigermaßen gütlich einigen:

 

Regest 307, 24. Mai 1475:

K.F. teilt Kammerer und Rat der Stadt Regensburg mit, daß er ihr Schreiben wegen der Geldforderung an die Juden erhalten und ihren vleiss in der Angelegenheit zu gevallen aufgenommen habe. Da er den Regensburger Juden wie anderen Juden auch die auferlegte Summe für den Krieg gegen den Hz. (Karl den Kühnen) von Burgund nicht erlassen möchte, befiehlt er ihnen bei Vermeidung seiner und des Reiches schwerer Ungnade, der genannten Juden Leib und Gut dazu anzuhalten, damit die geforderte Summe von 4000 Gulden an ihn bezahlt oder die Juden veranlaßt werden, ihre Botschaft an ihn zu schicken und sich mit ihm zu einigen. An mittichen vor Corpus Christi.
Den ersamen unnsern und des reichs lieben getrewen camrer und ratte der stat zu Regenspurg. (Adresse, Blattmitte).

 

Regest 308, 9.August 1475:

K.F. teilt Kammerer, Rat und hausgenossen der Stadt Regensburg mit, ihm sei zur Kenntnis gelangt, daß seine und des Reichs Juden in der Stadt Regensburg an ihren Freiheiten, alten Gewohnheiten und Herkommen beeinträchtigt und auch bei der Inanspruchnahme angemessener Zinsen (eines zymlichen gesuchs) gehindert würden, was ihm an seiner oberkeit zu abpruche und schaden gereiche. Er befiehlt ihnen bei den in den Freiheitsbriefen angedrohten Strafen und einer besonderen pen von fünfzig Mark lötigen Goldes, zahlbar in die ksl. Kammer, die Juden im Genuß ihrer Freiheiten und Gewohnheiten nicht zu beinträchtigen, sondern sie darin von des Reichs wegen zu hannthaben und zu schirmen und ihnen auch auf ihr Begehren gegenüber ihren Schuldnern gemäß den Schuldbriefen, wie es Herkommen ist, gerichtlichen und rechtlichen Beistand zu gewähren. Er gebietet ihnen außerdem, den Juden zu gestatten, von ihrem ausgeliehenen Geld angemessene Zinsen (zymlichen gesuche) zu nehmen, wie dies den Juden im heiligen Reich in päpstlichen Bullen in der Vergangenheit erlaubt worden ist. Am newnden tag des monats augusti

Kop.: Zeitgen. Abschrift im StadtA Regensburg (Sign. AR 1984/7, fol. 66v-67r), Pap.

 

Schickte Regensburg also wirklich nur zwei Zelte ohne Mannschaften? Die Stadt bzw. der Stadtrat ja, an den Bischof Heinrich von Regensburg erging aber von Kaiser Friedrich die folgende Order (der folgende Regest einhaltet den Befehl, die vorangegangene Order überall im Bistum anzuschlagen und bekannt zu machen):

 

Regest 305, 24. Februar 1475:

K.F. teilt allen im Bistum Regensburg angesessenen Reichsangehörigen, die von ihm und dem Reich Lehen besitzen, mit, daß er sich in eigener Person mit den Kurfürsten, Fürsten, Grafen., Herren, Rittern und den Angehörigen der Städte in das Stift Köln begeben habe, um dem Hz. (Karl dem Kühnen) von Burgund bei seinem mutwilligen und ungeburlichen fürnemen gegen das Reich geweltigen widerstandt zu leisten. Da dies einen yeden des heiligen reichs und teutscher nacion undertan und zugewandten angehe, habe er eigentlich erwartet, daß sie ihm als römischem K. und rechtem, natürlichem Herrn in Einklang mit ihren Lehenspflichten in eigener Person mit ihren Mannen Zuzug geleistet hätten, was aber bisher nicht geschehen sei. Er ermahnt sie daher bei ihren Pflichten, Gelübden und Eiden, mit denen sie ihm und dem heiligen Reiche verbunden sind, und bei Verlust aller ihrer Lehen, Zölle, Gnaden, Freiheiten, Privilegien, Gerechtigkeiten und was sie sonst vom ihm und dem heiligen Reich oder sonst von jemandem innehaben, und außerdem bei Vermeidung des Reiches Acht, Aberacht und allen penen und pußen, die er als römischer Kaiser gegen sie verhängen kann, und befiehlt ihnen, innerhalb eines Monats nach Anschlag dieses Briefes an der Domkirche und in der Stadt Regensburg nach bestem Vermögen zu Roß und zu Fuß mit wagen und aller notturft dem Reichsheer zuzuziehen. Wer diesem Befehl nicht Folge leistet, gilt als in die angedrohten Strafen verfallen, wie wenn er durch sein und der Kff., Fürsten und anderer Erkenntnis hierzu verurteilt worden wäre. Am freytag vor dem suntag Oculi.

Kop.: Zeitgen. Abschrift im BayHStA München (Sign. RL Regensburg 679, fol. 234r-235v), Pap.

So kann man davon ausgehen, daß, auch wenn kein offizielle Aufgebot der Stadt nach Neuss geschickt worden ist, sich zumindest ein Aufgebot aus dem Regensburger Raum / dem Bistum Regensburg zusammengefunden hat und nach Neuss gezogen ist. Wie groß dieses war und wie es aussah, wissen wir leider nich nicht, recherchieren aber weiter.

 

Quellen:

  • Franz Fuchs, Karl-Friedrich Krieger, Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440-1493). Nach Archiven und Bibliotheken geordnet. H. 15: Die Urkunden und Briefe aus den Beständen "Reichsstadt" und "Hochstift" Regensburg des Bayerischen Hauptstaatsarchivs in München sowie aus den Regensburger Archiven und Bibliotheken, (Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440-1493). Nach Archiven und Bibliotheken geordnet , Bd 15), Wien 2002.