Eine kleine und nicht auf Vollständigkeit pochende Entwicklungsgeschichte der Befestigung der männlichen Beinbekleidung vom 1. bis zum 19. Jhdt. n. Chr.

Eines unserer „Zeitfundstücke“ sind verstellbare Hosenträger, rekonstruiert nach einem Gemälde "The Filial and Heroic Devotion of Mademoiselle de Sombreuil in Spetember 1792" von ca. 1800. An sich nichts Spektakuläres, aber für die Zeit um 1800 relativ neu, andererseits fast am Ende einer langen Entwicklung der männlichen Beinbekleidung stehend, bzw. der Methoden, diese am Platz zu halten. Viele denkbare Methoden gibt es nicht, die meisten heut genutzten – wenn man Gummibündchen mal außen vor läßt - wurden auch schon früher genutzt. Im Prinzip geht es immer um 2 Prinzipien: entweder wird die Beinbekleidung an etwas fixiert, daß sie hochzieht/ auf entsprechender Höhe hält, sprich einen Zug nach oben entwickelt (z.B. die oben erwähnten Hosenträger), oder sie wird um die Hüften herum fixiert, sprich mit einem waagerechten Zug festgemacht (z.B. ein Gürtel).

Das zweite der hier erwähnten Prinzipien, ist auch das, was als erstes in unserer Zeitleiste auftaucht, nämlich der Gürtel bzw. die Kordel, der durch Schlaufen gezogen, die Hose um die Hüfte fixiert. Zu finden ist dies auf spätromischen Mosaiken aus Silistria, Bulgarien aus dem 4. Jhdt., wo man ganz eindeutig die Schlaufen am Hosenbund erkennen kann; bei den aufs das 1.-2. Jhdt. datierten Thorsberghosen deuten die Funde ebenfalls auf Gürtelschlaufen hin. Der Grund für die Befestigung ist vermutlich auch, daß die rel. engen Hosen, denn so werden die in der Zeit dargestellt, durch den Fußling einen Zug nach unten entwickeln und deshalb um die Hüften fixiert werden mußten, um nicht nach unten zu rutschen.

 Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Hose zu einer zwei- bzw.- dreiteiligen Angelegenheit: ab ca. dem 11. Jhdt. wurde sie zu einer sehr weitern Unterhose aus Leinen mit kürzeren Beinröhren, die etwa bis zur Hälfte der Wade  gingen. Diese so genannte bruoch oder Bruche, abgeleitet von dem lateinischen Wort für Hose, bracca, wurde mit einer Kordel oder einem schmalen Gürtel um die Hüften festgemacht. Darüber wurden enganliegende meist wollene Beinlinge inkl. Fußling getragen, die bis zur Hälfte des Oberschenkels reichten und mit Nestelschnüren vorne an der Bruche festgezurrt wurden.

Man könnte fast sagen, daß diese Art der Befestigung, die sich verbreitet etwa bis zur Hälfte des 14. Jhdts gehalten hat, beide der eingangs erwähnten Prinzipien in sich vereinte, oder auch ein Bindeglied ist zwischen der Thorsberghose und dem, was ab dem 14. Jhdt aufkam und die Mode der späteren Zeiten, wenn auch in anderer Form, bis in die 1950er Jahre prägte, nämlich der Befestigung der Beinlinge/Hosen an der Oberbekleidung.

Nach der Pestwelle, die Europa um die Mitte des 14. Jhdts erfaßte wurde die Kleidung generell deutlich enger und körperbetonter, die der Saum der Oberbekleidung wanderte auch immer wieder nach oben. Hier mußten also auch die noch getragenen Beinlinge entsprechend verlängert werden, um den restlichen Oberschenkel und das Gesäß abzudecken. Da nun die untere Schicht der Oberbekleidung – genauer gesagt das „Wams“ - auch dazu diente, die jeweils modisch angesagte Silhouette ähnlich einem Korsett zu formen und somit auch enger wurde, mußte zwischen Beinlingen und Wams eine Verbindung geschaffen werden, um ein Hoch- bzw. Runterrutschen zu verhindern und beide Kleidungsstücke an ihrem Platz zu halten: die „Nestelschnüre“ oder kurz „Nesteln“. Mit diesen wurden an strategisch wichtigen Punkten beide Kleidungsstücke miteinander verbunden, der passende Sitz der Kleidung wurde gesichert. Diese Befestigungsart hielt sich übrigens einige Jahrhunderte fast ohne Veränderungen (ab ca. 1620 wurden die nun innen iegenden Nesteln durch Haken und Schlaufen/Ösen ersetzt, das Prinzip blieb aber) und überstand modische Veränderungen der Beinbekleidung wie die einteilige Hose, die aus den Beinlingen entstand, sowie die Entstehung der Kniebundhose, die mit Strümpfen getragen wurde und die lange Hose zunächst ersetzte.

 

Im späten 17. Jhdt blieben zwar beide Kleidungsstücke zwar erhalten, trennten aber ihre Verbindung und existierten neben- bzw. übereinander weiter. Aus dem Wams wurde eine zunächst mit Ärmeln versehene, dann ärmellose Weste, deren Aufgabe nun war, den Oberkörper zu wärmen und schön auszusehen – bei den meisten erhaltenen Westen aus dem 18. und 19. Jhdt sind die Frontpartien aus besserem, auffälligeren Stoff als der Rücken gestaltet, da dieser meist eh von einem Rock oder einer Jacke verdeckt wurde. Diese Westen wurden im Vergleich zu den früheren Wämsern auch länger, sodaß sie das Gesäß und den Hosenbund wieder gut bedeckten und diese nicht mehr sichtbar waren.  Und was hielt die Kniebundhose an ihrem Platz? Da sie nun keinem Zug von oben noch unten ausgeliefert war, reichte ein Fixierung um die Hüften, die hier einfach durch Knöpfe vorne am Bund und eine variable Schnürung hinten erreicht wurden. 

 

Im wahrsten Sinne des Wortes hielt das Ganze so wunderbar, bis gegen Ende des 18. Jhdts die Westen wieder kürzer wurden und somit der Hosenbund, wie schon im 14. und 16. Jhdt nach oben wanderte. Da die Hosen nun auch wieder enger wurden, war wiederum ein Zug nach unten da, dem man entgegen wirken musste. Dies geschah nun über Hosenträger, die zunächst gerade waren mit einer Verstrebung, die dem Ganzen ein H-förmiges Aussehen gab (diese gab es bereits bei bäuerlicher Kleidung seit dem frühen 18. Jhdt.) , und sich dann zu der auch heute noch gebräuchlichen X-Variante entwickelten, im späten 19. Jhdt kam dann ein Y-förmiger Hosenträger auf, mit 2 Halterungen vorne und einer hinten. Die Kombination von Hosen, Hosenträger und Weste hielt sich in der üblichen Männerbekleidung bis in die 1950er/1960er Jahre auf und wird heute, nach etwa 60 Jahren Randexistenz auf Bällen und Hochzeiten, ganz nebenbei wieder modern. Ab etwa 1910 mit der Verbreitung von sportlicher Mode im Alltag setzte sich aber auch wieder die fast 1000 Jahre alte Art die Hosen zu befestigen durch, nämlich mit einem Gürtel um die Hüften - also so, wie wir es heute gewohnt sind.

 

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