Schilde bei Fußsoldaten sind in verschiedenen Formen schon seit der Antike bekannt, von da an waren sie meist der erste und billigste Teil der Schutzbewaffnung eines Kämpfenden. Bestens bekannte Beispiele sind zum Beispiel das Hoplon der griechischen Hopliten und das Scutum der römischen Legionäre.

Mit dem Anstieg der Verfügbarkeit von Körperrüstungen und der nderung der Kampftaktik im späten 14. und früher 15. Jhdt wurden Schilde für die meisten Infanteristen, die nun mit beidhändig geführten Stangenwaffen ausgestattet waren und in größerem Verbund kämpften, obsolet. Lediglich die Pavese blieb als Schutzschild für Schützen wie auch als semi-mobiler Schutz gegen Reiterei noch bis zum 16. Jhdt in Benutzung, bevor sie ebenfalls überflüssig wurde, da sie gegen Langspieße und vor allem Feuerwaffen keinen Schutz mehr bot.

 Aufkommen von Pavesen und ihre Entwicklung

Der Begriff Pavese für einen großen, am Boden aufgesetztes Schild, leitet sich vermutlich von der norditalienischen Stadt Pavia ab, wo Setzschilde schon seit dem 13. Jahrhundert von Fußtruppen benutzt worden sind. Diese hatten zwar den gleichen Verwendungszweck, aber eine völlig andere Form, als die im 15. Jahrhundert aus Böhmen und Deutschland bekannten Pavesen oder Setzschilde. Hier entwickelte sich ein eigenständiger Typ des Schildes, der bald im gesamten ost- und mitteleuropäischen Bereich Verwendung fand. Wenn man den Abbildungen und einigen erhaltenen Exemplaren folgt, zeigt sich übrigens ein stilistischer Unterschied zwischen Pavesen mittel- und westeuropäischer Provinienz: erhaltene Setzschilde aus Burgund oder Frankreich weisen meist die für deutsche und böhmische Pavesen typische Mittelrippe nicht auf.

Dem Begriff Pavese ist der der Tartsche übrigens gleichzusetzen, dieser stammt aus dem slawischen Sprachraum und bedeutet soviel wie "Schild". Auch hier gibt es, wie bei "Pavese" Unterscheidungen wie Setztartsche, Reitertartsche. In zeitgenössischen Quellen tauchen beide Begriffe im süddeutschen Sprachraum etwa gleich häufig auf ohne eine besondere Unterscheidung.

Die in unserem Raum verbreitete rechteckige und mit einer rund oder ebenfalls eckig ausgearbeiteten Mittelrippe versehene Form ist allem Anschein nach durch die Kreuzzüge des Deutschen Ordens im Baltikum nach Mitteleuropa gekommen. Dort, vor allem in Masowien und Litauen, waren kleinere Schilde dieser Form bei der Reiterei in Benutzung, einer der ersten Hinweise hierauf ist das Siegel des Fürsten Trojden von Masowien von 1341, das eben einen Reiter mit einem solchen Schild zeigt. Das Siegel des litauischen Fürsten Kiejstut von 1379 zeigt ebenfalls diese Form, hier allerdings bei einem stehenden Bewaffneten. Diese Schildform wurde anscheinend zunächst vom Deutschritterorder übernommen, was auf Darstellungen einiger Großmeister, z.B. Ludolf von Konig und Heinrich von Plauen aus der ersten Hälfte des 15. Jhdts sichtbar wird, danach scheint sie sich in Mitteleuropa ausgebreitet zu haben. In vergrößerter Variante wurde die Setzpavese vor allem durch die Hussiten sehr häufig benutzt, sei es als Schutz für Armbrustschützen, die kniend hinter ihr ihre Waffen nachladen konnten, sei es als Schutzwall für Infanterie gegen Reitereiangriffe. Pavesen oder Setztartschen gehörten ab etwa der Zeit der Hussitenkriege zur bürgerlichen Bewaffnung in vielen Städten, so ist z.B. aus Wien überliefert, daß das Stellen einer Pavese zum Erlangen des Bürgerstatus mit dazugehörte; in einigen Rechnung der Stadt wird dies erwähnt, (das folgende Beispiel stammt aus dem Jahr 1457) :

"[..] Innemen krebs, eisenhut, helmporten und tartschen, damit etlich person burgerrech gewunnen habent [...]"

Eines der letzten dokumentierten Gefechte, bei denen Pavesen benutzt worden sind, war 1504 die Schlacht bei Wenzenbach (bei Regensburg) im Landshuter Erbfolgekrieg. Hier erfolgte der wohl letzte Einsatz von böhmischen Söldnern, die ihre Pavesen als Schutz gegen die kaiserliche Reiterei benutzten. Darstellungen davon finden sich zum Beispiel sowohl im "Weißkunig"  wie auch auf dem Cenotaph von Kaiser Maximilian I. in Innsbruck. Das hier gezeigte Bild ist der "Chronik des bayerischen Erbfolgekrieges" von Andreas Zainer (BSB München cgm 1598) aus dem 1.Viertel des 16. Jhdts

 

 

Die verschiedenen Typen und die allgemeine Bauweise

Durch den Einfluß, den die Kriegszüge der Hussiten in den 1420er und 1430er Jahren auf die waffentechnische Entwicklung und Taktik in ost- und süddeutschen Gebieten hatten, setzte sich in dieser Zeit die aus Böhmen kommende Form der Pavese in diesen Gebieten durch und wurde allgemein übernommen. Die hier benutzten größeren Pavesen hatten eine rechteckige oder trapezartige Form und verfügten stets über eine Mittelrippe, deren Bauweise allerdings unterschiedlich sein konnte.

Bei kleineren Pavesen kann die äußere Form durchaus stärker variieren: neben den auch bei den größeren Pavesen verbreiteten rechteckigen oder trapezförmigen Schilden tauchen hier, sowohl in der Malerei wie auch als noch als erhaltene Originale, solche mit ovaler oder halbovaler Form auf. Auch die Mittelrippe kann verschiedene Formen aufweisen, von flach wie bei den größeren Setzschilden, wie auch dreieckig spitz zulaufend. Eine sehr schöne Sammlung an verschiedenen kleinen Tartschen, an der man die Formenvielfalt ersehen kann, befindet sich heute im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt.

Der allgemeine Aufbau ist bei allen Varianten der Pavese/ Tartsche im Prinzip gleich:

  • Der Schild besteht grundsätzlich aus drei Teilen: der Mittelrippe und den zwei angesetzten Flügeln. Diese Teile werden meist aus leichtem, langfaserigem Holz hergestellt, die Rippe, vor allem wenn sie aus einem Stück gearbeitet wird, aus Linde, die Flügel meist aus Fichte.
  • Dieser Holzkorpus wird dann von einer oder von beiden Seiten mit Werg, also angesponnenem Leinen, beklebt, oft kreuzförmig überlagernd in verschiedenen Schichten. Auf diese Schicht wird dann der Bezug aufgetragen. Dieser kann aus einigen Schichten Leinen, Rohhaut oder einem Mix aus beiden bestehen.
  • Der fertige Korpus wird dann mehrmals mit Kreidegrund bemalt, um eine einheitliche Bemaloberfläche zu schaffen und das Innere des Schildes vor Feuchtigkeit zu schützen. Bei erhaltenen Pavesen variiert die Bemalung zwischen mit Temperafarben aufgetragenen einfachen heraldischen Mustern oder Stadtwappen bis zu kunstvollen Lasurmalereien auf einem Blattsilberhintergrund. Besonders zum letzten Typus existieren über 90 prunkvoll bemalte Exemplare im Historischen Museum der Stadt Wien.
  • Am Ende wird der Schild noch mit einem Firnis eingestrichen, der die Bemalung und den Schild selbst vor Feuchtigkeit und anderen Umwelteinflüssen schützen soll.

 

 

Rekonstruktion einer Setztartsche

Die Maße und allgemeine Form unseres Nachbaus haben wir von einer Pavese aus dem Bayerischen Armeemuseum übernommen. Hier waren die Maße sowohl relativ einfach zu ermitteln, durch Beschädigungen in dem Bezugmaterial war hier auch der innere Aufbau, nämlich die Holz-Werg-Leinenstoff-Konstruktion ohne Rohhaut, gut zu erkennen. Die erhaltenen Nagelköpfe geben eine Vorstellung von der Befestigung und Art der Halteriemen auf der Innenseite. Die äußere Bemalung übernahmen wir von einer in der Wiener Jagd- und Rüstkammer gezeigten Pavese aus Melk/Österreich, adaptierten dabei die vorhandenen Wappen zu unseren Zwecken, sodaß hier das Regensburger Stadtwappen und der Reichsadler nebeneinander dargestellt werden.

 

 

Literatur zu Pavesen

  • Leopold Schmidt, Zur Geschichte, Funktion und Ikonographie der Wiener Tartschen des 15. Jahrhunderts, Wien im Mittelalter. 41. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, Karlsplatz, 18. Dezember 1975 bis 18. April 1976, S.44-50.
  • Elisabeth Mayr, Christine Steinkellner, Zur Restaurierung der Setztartschen,ebd., S.51-54.
  • Jos W.L. Hilkhuijsen, A pavise from Zwickau, PDF im Arms&Armoury Forum