Das unter Liber illuministrarum bekannte Manuksrikt, das bei der Säkularisierung des Klosters Tegernsee in der dortigen Bibliothek gefunden wurde, enthält über 750 Rezepte, die vor allem für Buchmaler gedacht waren. In diesem Artikel sollen die Ergebnisse der Versuche mit den Rezepten, die das Färben von Leder - im Originalzweck vor allem für Bucheinbände - beschreiben, dokumentiert und veranschaulicht werden.

Das Liber illuministrarum kam 1803 mit den übrigen Manuskripten der Bibliothek des Benediktinerklosters Tegernsee infolge der Säkularisation in die Bayerische Staatsbibliothek, wo es unter der Signatur Cgm 821 aufbewahrt wird. Die heute 231 Blätter zählende Papierhandschrift besteht aus einer in der zweiten Hälfte des 15. Jhdts angelegten Sammlung kunsttechnologischer Rezepte, die bis 1512 um eine Sammlung technischer, alchemistischer, medizinischer und hauswirtschaftlicher Texte erweitert worden ist. Die kunsttechnologischen Texte beziehen sich vor allem auf die Arbeit des Buchmalers und erfassen Themen wie Herstellung und Bearbeitung von Pergament, Herstellung verschiedener Grundierungen, Farben und Firnisse, Vergoldung und Versilberung, Herstellung von Tinte und viele andere Bereiche - unter anderem eben auch das Färben von bereits gegerbtem Leder, in dem Kontext des Buches vor allem für Bucheinbände.

Das Gegenstände aus Leder im späten Mittelalter gar nicht so selten waren bezeugen sowohl einige erhaltene Exemplare, wie auch durchaus nicht wenige Abbildungen. Neben schwarz, der am einfachsten und billigsten zu erreichenden Lederfarbe,  schien Rot eine dominierende Rolle gespielt zu haben, denn neben den vor allem auf Abbildungen schwarzen und naturbraunen Schuhen, finden sich viele Beispiele von rot gefärbten Schuhen und Ledertrippen. Auch sind einige Futterale und Buchkästchen, die mit heute noch leuchtend rotem Leder bezogen sind, erhalten. Einige Beispiele sind im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ausgestellt, das Historische Museum in Regensburg hat aber auch eine kleine Schatulle, die mit rotem Saffianleder bezogen ist, in der Dauerausstellung.

Mit den folgenden Versuchen wollen wir Leder so färben, wie dies vor 500 Jahren getan worden ist, um soweit möglich die gleiche Farbigkeit der verschiedenen Gegenstände  zu erreichen.

 

 

Schwärzen mit Eisenvitriol

"Item schwarcz auff leder: nym weyn oder essig und x maß ein hab libram gallen, i libram kupferwasser. vnd ii maß sporfeychlin. vnd süed das alles durcheinander vnd tu das jn ain haffen oder feslin und rur das altag ein mal vmb vnd auf vnd tu das x tag vnd wen du das fel an wollest streichen so vber streich das von ersten mit gallen wasser das da law sey und dar nach die kalten farb" (fol 89v)

Durch das oben erwähnte Rezept entsteht, zusammen mit der Gerbsäure im Leder, ein dunkelgrau bis tiefes Schwarz, je nach der Häufigkeit der Ãœberstreichung mit der Farbe. Man kann die Lederstücke auch in ein Bad mit der Färbeflüssigkeit einlegen. In diesem Fall sollte es ca. 48 Std darin liegen bleiben.. Die besten Ergebnisse habe ich bisher erreicht, in dem ich 1 Teil Essigessenz auf 8 Teile Wasser vermischt habe, etwas Kupfervitriol (aus der Apotheke) und einige alte Ringpanzerringe in den Sud gelegt habe. Dieses Färbebad ist etwa 4-5 Tage gezogen, danach kamen die Lederstücke rein, die geschwärzt werden sollten. Nach etwa 2 Tagen im Bad werden sie an der Luft sehr schnell schwarz. Das Tauchfärben empfliehlt sich v.a. bei dickerem Leder, bei dünnerem reicht ein 2-3 maliges Aufstreichen der Farbe, da es ein ebenso tiefes schwarz hervorbringt, wie das Bad bei dickerem Leder. Die Farbe kann durch ein Nachölen des fertigen Werkstücks noch etwas vertieft werden und bekommt einen schönen Glanz.

 

 

Verschiedene Rotfärbungen

 
Rotfärbung mit Krapp

Hier liegen mir keine direkten Rezepte vor, sondern nur Erwähnungen, dass Leder parallel zu Stoff mit Krapp gefärbt worden ist. Dies habe ich auch probiert, wobei sich die für Leder doch recht hohe Temperatur beim Färbevorgang als Hindernis darstellte. Ich habe probiert, dies zu umgehen, indem ich das Leder herausnahm, die Beize und dann das Färbebad immer wieder erhitzte, etwas abkühlen ließ und das Leder wieder reinlegte.

Ich habe folgendes benutzt:

  • 250g Leder (verschiedene Arten Rinds-, Ziegen- und Hirschleder)
  • 250g Krappulver
  • 50g Alaun
  • genug Wasser

Die Lederstücke wurden ca. 1-2 Std. im warmen Beizbad eingelegt, danach konnten sie 24 Std. außerhalb des Kessels ziehen. Das Krapp hat ebenfalls 24 Std. in genug Wasser gezogen. Es wurde auf ca. 50°C erhitzt, dann kam das Leder hinein. Nach etwa 2,5-3 Std. im Bad hab ich das Leder herausgeholt und dann trocknen lassen.

Wie unten zu sehen, war das Färbebad leider auch für einige der Lederstücke zu heiß, das Leder hat sich teilweise verzogen und verhärtet. Andererseits haben auch diese fast zu heissen Stücke die Farbe am besten angenommen. Meiner Meinung nach (basierend auf den bisher gemachten Erfahrungen) ist Hirsch- und Ziegenleder am besten mit Krapp zu färben, da es etwas hitzebeständiger ist, als lohgegerbtes Leder, das schnell hart wird und sich verzieht.

 

 
Rotfärbung mit Rotholz

Zum Rotfärben von Leder enthält das Liber Illimunistarum 36 verschiedene Rezepze, hier die Beschrebung derer, die ich ausporbiert habe

"Rubeum coreum sic fir: Recipede presilio alumnis puluerisatiquantitatem j aquam putei quantitatem iiiJ et buliantur as spissitudinem incausi tunc liniere cum pede leporis et in sola sicca" fol. 38v

Übersetzung:

"Rotes Leder macht man so: Nimm von Brasilholz [sowie von] pulverisiertem Alaun ein Teil, vier Teile Brunnenwasser und koche es bis zur Dicke einer Tinte ein. Dann trage es mit einer Hasenpfote auf und trockne es in der Sonne"