Kurze Beschreibung der im bayerischen Raum typischen Männerkleidung in den Jahren 1460-1475

Nach der Extravaganz in der Mode des späten 14. und frühen 15. Jhdt wurde die Kleidung ab etwa der Zeit nach den Hussitenkriegen, also grob ab 1440 wieder etwas einheitlicher, auch in der haute couture der Zeit - die ja auch die Alltagsmode beeinflußte - verschwanden Entwicklungen, wie die Glöckchenmode. Der burgundische Einfluß in der Mode im süddeutschen Raum verlor sich zu Gunsten einer eher eigenständigen, im Vergleich zu der burgundischen "bodenständigeren" Mode, deren Merkmale vor allem eine stundenglasförmige Silhouette, weite Ausschnitte und dekorative Schlitze in der Kleidung waren.

Die größte Neuerung in der Männermode der Zeit war die Entwicklung der einteiligen Hose, die sich etwa um 1400 aus den hohen Beinlingen, die aber noch einzeln getragen wurden (daher auch das heutige ""ein Paar Hosen""), zusammensetzte - bis dahin trug der Mann das gesamte hohe und späte Mittelalter hindurch eben die getrennten Beinlinge, um 1440 wurde die Hose um den Schamlatz vorne ergänzt. Die Entwicklung der Hose, die seitdem getragen und bis heute,  wenn auch in einer abgewandelten Form, getragen wird, beeinflußte die Mode der späteren Zeiten in hohem Maße.

Keine wirkliche Neuerung, aber auch ein Element, das die Kleidung, wenn auch teilweise in abgewandelter Form, für einige Jahrhunderte beeinflußte - und auch heute in Form der Weste weiterlebt - ist das Wams, das mit der Hose zusammen eine Einheit bildet, die auch das Erscheinungsbild des Trägers optisch dem modischen Schönheitsideal der Zeit anpaßt. Diese ""formende"" Funktion behält es bis ins frühe 17. Jhdt, wenn natürlich auch in anderer Form. Erst später werden Hose und Wams getrennt, das Wams wird zuerst zu einer kurzen Jacke und dann, im 18. Jhdt zur Weste und bleibt somit ein fester Bestandteil der Männermode bis ins 20. Jhdt.

 

Leib - oder Unterwäsche

Leider sind bis heute kaum auswertbare Funde von Unterwäsche aus dem späten 15. Jahrhundert bekannt, sodaß wir uns bei der Rekonstruktion vor allem auf Abbildungen und aus früheren und späteren Zeiten erhaltene Stücke beziehen müssen, und diese in Einklang bringen. Unterwäsche ist aber ein Thema, das in der Bildsprache der hier behandelten Zeit nur im bestimmten Kontext auftauchte, was die Suchfelder etwas einschränkt: so wurden vor allem Bauern bei schwerer Arbeit im Sommer und Menschen im Badehaus nur in Unterwäsche dargestellt. Dazu kommen Märtyrer bei Folterszenen, Bettler, die ebenfalls oft teilweise oder nur in Unterwäsche dargestellt werden, oder allegorische Szenen, wie der "Kampf um die Hose", die uns einen Blick auf die Unterwäsche erlauben.

Daraus kann man schliessen, daß die Unterwäsche bei Männern aus zwei Kleidungsstücken bestand, einem Unterhemd und einer Unterhose, beides aus Leinen hergestellt, nur in Testamenten oder Inventaren der Oberschicht tauchen Unterhemden aus Seide auf. Das Unterhemd hatte sich aus den langen Untergewändern des Hochmittelalters entwickelt, es war kürzer (die Länge auf Abbildungen variiert zwischen der Gesäßhöhe und der Mitte des Oberschenkels), hatte bequem enge rmel, deren Beweglichkeit durch unter die Achsel eingesetzte Keile gewährleistet wurde, und meist einen einfachen ovalen Halsausschnitt ohne einem Verschluß nicht unähnlich einem langärmeligen T-Shirt heute.

Für die Unterhose kann man grob drei unterschiedliche Typen festmachen: zum einen die wie ein heutiger Slip geformte Unterhose, die mit einem Stoffband geschlossen wird - dies ist der wohl verbreitetste Typus. Die zweite Form wäre eine Art Stringtanga, der aus 2 Stoffdreicken besteht, die mit Bändern auf der rechten und linken Hüfte geschlossen werden. Diese Art der Unterhose wird übrigens, als einziger der hier Beschriebenen,  immer wieder in blau dargestellt. Die dritte Art ist eine Unterhose mit etwas längeren Beinen, sozusagen das Pendant zur heutigen Boxershort. Sie entspricht in weitem dem ersten Typus, nur sind hier die Beinröhren etwas länger. Sie erreichen jedoch nie die Länge der Bruche des Hochmittelalters.

 

Wams & Hose

Da die Unterwäsche fast komplett von den darüber liegenden Kleidungsschichten verdeckt wurde, bilden das Wams und die Hose die erste sichtbare Schicht der Kleidung des Mannes. Wie bei der Unterwäsche existiert hier aus der von uns betrachteten Region und Zeit kein erhaltenes Exemplar. Jedoch sind einige Stücke vom Anfang des 16. Jhdts aus dem Schwäbischen Raum, sowie ein italienisches Wams aus der Mitte des 15. Jhdts erhalten, sodaß man hier bei der Herstellungsweise gut Rückschlüsse ziehen kann. Auf zeitgenössischen Abbildungen werden Wämser und Hosen sehr oft dargestellt, meistens bei schwer Arbeitenden oder, oft in einer übertriebenen Mode, bei Folter- und Henkersknechten, z.B. auf Kreuzigungsdarstellungen. Eine weitere Quelle sind Fechtbücher, da hier die Fechter in Wams & Hose, aber ohne weitere darüber liegende Kleidungsstücke dargestellt werden. Aus den dargestellten Situationen kann man folgern, daß die Kombination Wams und Hose zwar etwas war, daß man bei Tätigkeiten, die viel Bewegungsfreiheit benötigten, auch außerhalb de Hauses getragen hat, daß es aber nicht üblich war, nur darin, d.h. ohne ein Kleidungsstück darüber, auf die Straße zu gehen. Hier könnte man die Parallele zum Männeranzug des 19. und frühen 20. Jhdts ziehen - nur ""hemdsärmelig"", d.h. mit Hemd, Weste und Hose bekleidet ,galt als nicht komplett angezogen. Passend für schwere Arbeit, aber z.B. nicht für einen Gang in die Kirche oder ins Wirtshaus.

Das Wams ist für die Mode des späten 15. Jhdts aus zwei Gründen besonders wichtig: hieran kann man die regionalen Besonderheiten sehr gut erkennen und es ist figurformend, d.h. durch seinen engen, taillierten Schnitt entsteht die in der Spätgotik als modisch empfundene schlanke Silhouette mit einer betonten Taille. Das Wams hatte aber, neben der modischen, auch eine praktische Funktion, denn es wurde mittels Nestelschnüren mit der Hose verbunden und sicherte so ihren Sitz – übrigens hielt sich diese Verbindung bis ins frühe 17. Jhdt. Jedes Wams bestand aus zwei Schichten Stoff, wovon zumindest das Futter (meist Leinen oder Barchent) fest verwebt war, um die Form zu halten, der Oberstoff variierte, je nach Gusto und Geldbeutel des Trägers, zwischen Wolle, Leinen, Barchent und Seide, meist dürfte es aber Wolle gewesen sein.

Die für den ""süddeutschen"" Stil typischen Merkmale des Wamses sind, neben dem stundenglasförmigen Schnitt ein U- oder V-förmiger Ausschnitt vorne (ab etwa 1455-60 sind Wämser in unserer Region nur selten Stoß auf Stoß geschlossen), sowie ähnliche Ausschnitte am Unterarm. Manche Kleiderordnungen schreiben die Tiefe der Ausschnitte am Hals oder auf der Brust vor, um die Sichtbarkeit der Unterwäsche zu verringern; so z.B. die Regensburger Kleiderordnung:

"So verpietn wir alln und yedn jungn und alten layen mannspersonen [...] die goller an den wamasern [...] nach aushang diser ordnung machen wirdt lassen oder vester ausschneiden lasse dann drey twerchvinger under dem glide oder knöchlein hind am hals.""

Die Brustauschnitte werden ab den späten 1460er Jahren öfters mit einem Einstecktuch in einer kontrastierenden Farbe abgedeckt; der Verschluß funktioniert über Nestelschnüre aus Wolle, Seide oder, bei einfacheren Wämsern, Leder. Ein weiteres Merkmal, das sich von der burgundischen/flämischen Mode abhebt, ist die rmellänge; diese enden meist nicht am Handgelenk, sondern etwa eine Handbreit darüber am Unterarm. Zwischen 1440 und 1500 wandert der untere Rand der Wamsschöße immer weiter in Richtung Taille, im gleichem Maße wird die Hose auch nach oben verlängert und der Hosenlatz betont.

An das Wams angenestelt wurde eine enganliegende, einteilige Hose  aus dehnbarem Wollstoff, die sich aus den Beinlingen des 14. und frühen 15. Jhdts durch hinzufügen eines Mittelkeiles und eines Hosenlatzes entwickelt hat. Einzelne Beinlinge ohne Verbindung sind ab der Mitte des 15. Jhdts ein reines Merkmal der bäuerlichen Mode (hier fast schon typbildend), tauchen aber im städtischen Umfeld, Sonderfälle ausgenommen, nicht mehr auf.

Der Schnitt der Hose ist weitestgehend identisch mit dem anderer Regionen. Sie wird körpereng, aber mit einigen kleinen Falten, die die Bewegung (zusätzlich zur Dehnbarkeit des Stoffes) erlauben, zugeschnitten und endet entweder in angeschnittenen Fußlingen (ähnlich heutigen Strumpfhosen) oder Stegen, die nur den hinteren Teil des Fußes ohne Ferse umfassen. Für den richtigen Sitz ist aber eine Art von Zug von unten nötig. Die einzige Besonderheit für den Süden ist die stärkere Betonung des Hosenlatzes, der, durch den Zuschnitt bedingt, sowohl größer als auch etwas herausragender gestaltet wird. Hieraus entwickelt sich im frühen 16. Jhdt der Prahlbeutel der Landsknechtsmode.

 

Der Rock

Der Rock bzw. die Schecke ist das Kleidungsstück der männlichen Tracht des späten Mittelalters, das durch Gemälde und sogar einzelne erhaltene Exemplare, am besten nachvollziehbar und rekonstriuerbar ist. Da der Rock außer Haus eigentl. fast immer getragen wurde, erscheint er in unzähligen Variationen auf den meisten Gemälden und taucht auch in Testamenten auf -  anscheinend galt der Rock, vor allem, wenn er einen Wert darstellte, durchaus als vererbbar und somit auch als repräsentatives Kleidungsstück, worauf vor allem viele Stifterdarstellungen deuten, die meist einen pelzgefütterten Rock tragen.

Desweiteren taucht der Rock in Kleiderordnungen auf, so z.B. in der Pfälzer Kleiderordnung von 1465:

"[...] rock oder mantel nicht kürzer machen soll denn ein Spann oberm knie [...]"

Wie in dem Beispiel oben schreiben Kleiderordnungen meistens nur die Länge und den Wert des Rockes (wie auch anderer Kleidungsstücke) für bestimmte sozialen Schichten vor (eine Farbvorschrift taucht zumindest in den Kleiderordnungen aus dem süddeutschen Raum nicht auf), so daß man für die Bestimmung der Form auf Abbildungen zurückgreifen muß. Danach weist der typische ""deutsche"" Rock gerade, relativ weite bis über das Handgelenk reichende rmel auf, die, im Gegensatz zu den Puffärmeln der burgundischen Variante, meist gerade ohne Falten eingesetzt sind.

Die typischen Falten um die Taille vorne und im Rücken, die man auf vielen Darstellungen findet, sind meist nur gelegt, nicht genäht, so daß der Rock, wenn offen getragen, frei fallen kann auch dieses Detail findet sich oft auf Stifterabbildungen. Er reicht an sich meist etwa bis zur Mitte des Oberschenkels, bzw. wenn offen getragen, fast bis zum Knie wobei natürlich auch kürzere und längere Varianten zu finden sind. Weitere typische Merkmale sind Schlitze auf beiden Seiten (meist gerade, öfters aber auch leicht rundlich ausgeschnitten), die fast bis zur Hüfte reichen, sowie der einfache Verschluß: der Rock wird üblicherweise nur mit einer Nestel über der Brust geschlossen und mit dem Gürtel zusammengehalten.

Zumeist war der Rock aus Wolle, oft mit ebenfalls Wolle, Leinen oder Barchent gefüttert. Bessere Versionen, zum Beispiel die Sonntagsjacke eines Handwerkers, konnten durchaus mit importierten Farbstoffen oder doppelten Färbungen gefärbt, je nach Stand und Wohlstand des Trägers mit Seide oder Pelz gefüttert oder nur verbrämt sein. Bei den Stoffen für Rock und Futter und die dafür benutzten Pelzart wirken einige Kleiderordnungen wieder beschränkend. So verbietet die Regensburger Kleiderordnung  von 1485 dem „layischen mann“ (d.h. hießt hier: jedem, der nicht zum Rat der Stadt oder zu einer der Ratsfamilien gehört) das Tragen bestimmter Pelzarten:

"So setzen ordnen und gebietn wir, daß fürbaß kain layische mannsperson sy sei jung oder alt, kainerley underzug oder kainen uberslag, präm, haubn noch andere klaider oder gewandf weder von zoblein, haermlein, madrein, vehrücken oder verwamen habn oder tragn solle.[...]"

Ob sich die Bürger stets daran gehalten haben und aus welchem Grund solche Verordnungen erlassen worden sind, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

 

Kopfbedeckung

Seit etwa dem späten 12. Jhdt.  wurde das fast ständige Tragen einer Kopfbedeckung für Männer usus, gerade bei Darstellungen von Handwerkern, Arbeitern oder Bauern fällt dies auf; der Adel und später auch das Patriziat machen da immer wieder eine Ausnahme. War dies um 1250 noch eine einfache Bundhaube aus Leinen, so wuchs die Vielfalt der Mützen und Hüte nach der ersten Pestwelle an und wurde zu einer schieren Flut an verschiedenen Mützen, Kappen oder Hüten im 15. Jhdt, die auf erhaltenen Darstellungen zu finden sind.

Aus dieser Flut verschiedener Kopfbedeckungen kann man für die alltägliche Benutzung zwei Haupttypen besonders betonen, nämlich die Filzkappe und den Schlauchhut, die jedoch jeweils eine große Formenvielfalt zeigen. Andere Typen der Kopfbedeckung wie die Sendelbinde oder Pelzhüte waren meist dem Adel oder Patriziat vorbehalten, wurden nur zu besonderen Anlässen getragen oder - in einer bildlichen Darstellung - mit einer bestimmten Bedeutung belegt, so z.B. wenn sie eine Person als Orientalen klassifizieren sollte.

Die Filzkappe ist eine aus Wolle hergestellte meist zylindrische Kappe mit flachem oder gewölbtem Deckel. Unter diesen Begriff kann man viele verschiedene Modelle zusammenfassen, auch verschiedene Herstellungsarten, also stricken oder nähen und nachträgliches Ãœberfilzen, oder direktes Filzen aus Wolle oder Tierhaaren (meist Biber oder Hase). Alle drei Herstellungsarten sind durch erhaltene Originale nachweisbar.

Der Schlauchhut hat sich im späten 13./frühen 14. Jhdt aus der Gugel entwickelt, die damals ""falsch"" herum aufgesetzt worden ist, also mit dem Gesichtsausschnitt auf den Kopf. Diese Trageweise wurde populär, so daß im Laufe der Zeit die überflüssigen Teile der Gugel wegfielen und der eigentlichen Hut zu einem Schlauch wurde, der an einem Ende aufgerollt und dann auf den Kopf gesetzt wurde, während das andere Ende lose auf eine Schulter fällt. Manchmal ist dieses auch mit Zaddeln verziert oder zu Fransen zerschnitten. Eine Abart ist der Beutelhut, bei dem das lose Ende des Hutes zu einem ""Beutel"" vernäht ist.

Nicht mehr ein Teil der Alltagstracht, wie noch im späten 14. und frühen 15. Jhdt), sondern nur ein Teil der Reise- und Schlechtwetterkleidung ist im späten 15. Jhdt die Gugel, eine Kapuze mit einem angesetzten, die Schultern schützenden Teil. In der 2. Hälfte des 15.Jhdts hatte die Gugel zumeist den früher so typischen Schwanz verloren (die Ausnahme hier sind Gugeln, die von Geistlichen getragen wurden), auch war der über die Schultern fallende Teil kürzer geworden, so daß er diese nun kaum bedeckte - oder ganz freiließ und nur zu zwei latzähnlichen Stücken auf Brust und Rücken fiel. Der die Schultern bedeckende Teil war auch oft nicht mehr aus einem Stück, sondern wurde zu Fransen, die entweder aus dem Stoff direkt geschnitten oder aus Wolle gefilzt und dann angenäht wurden - eine vor allem im Süden des deutschen Raumes anzutreffende Besonderheit. Diese typische Fransengugel trifft man sehr häufig im militärischen Kontext an, wo sie unter dem Helm getragen wird.

 

Fußbekleidung

Eines der Vorurteile über das Mittelalter ist, daß die meisten Leute, die damals lebten, zu arm waren, um sich Lederschuhe leisten zu können und deshalb in den vermeintlich billigeren Holzschuhen herumliefen oder sich gar nur Lumpen oder Lederstücke um die Füße wickeln mußten.

Das muß aber anhand von zeitgenössischen Abbildungen und vor allem der Masse an mittelalterlichen Schuhfunden, die im deutschen Raum gemacht worden sind, definitiv verneint werden. Schuhe waren kein Luxusartikel, sondern für alle und jeden erschwinglich; Abbildungen von barfüßigen Menschen tragen meistens eine bestimmte Bedeutung, zum Beispiel um die Bußfertigkeit oder Askese eines Menschen aufzuzeigen. Natürlich gab es neben einfachen, billigen Schuihen auch welche für den größeren Geldbeutel - eine Sache, die heute aber nicht anders ist.

Der mittelalterliche Schuh ist in der Wendetechnik hergestellt, d.h. Oberleder und Sohle wurden auf Links vernäht und dann gewendet, so daß die Sohlennaht nicht dem Straßenbelag ausgeliefert war und so länger gehalten hat. Durch diese Technik bedingt, konnte die Sohle nicht allzu dick sein, da ab einer bestimmten Dicke das Wenden nicht mehr möglich ist. Dieses Manko wurde aber beseitigt, indem man die Sohlen von unten durch das Aufnähen von Sohlenflicken aus dickerem Leder verstärkte und so ihre Lebensdauer verlängerte.

Soweit man es an den Schuhfunden aus Mittel- und Nordeuropa feststellen kann, gab es keine regionale Mode bei Schuhen, die gleichen Formen finden sich in Schweden, England, Deutschland und Polen. Auch eine Unterscheidung in Männer - oder Frauenschuhe ist bei den  meisten erhaltenen Modellen nicht möglich, da zeitgenössischen  Abbildungen zu Folge die meisten Typen von beiden Geschlechtern getragen  worden sind. Vorherrschend beim Gros der Bevölkerung waren flache bis leicht über den Knöchel gehende Schuhe mit mäßiger Spitze, die entweder durch Senkel oder Schnallen geschlossen worden sind - diese Modelle haben sich teilweise über 150-200 Jahre gehalten. Ein einfacher knöchelhoher Schuh ist übrigens im Historischen Museum in Regensburg ausgestellt, der Fund stammt aus einem Fehlboden im Alten Rathaus.

Neben einfachen Schuhen gab es natürlich auch besondere Schuhmodelle, je nach Einsatz und Geldbeutel: so trugen Reiter fast bis an die Hüfte reichende Reitstiefel aus weichem Leder, bei den wohlhabenderen Schichten (oder auch für den sonntäglichen Kirchenbesuch) waren auch flache Schuhe mit verlängerter Spitze verbreitet. Hier meldet sich auch wieder die Regensburger Kleiderordnung:

"[..] So verpietn wir alln und yedn jungn und alten layen mannspersonen die langn Spitzen an den Schuhn und [...] wölln das nun fürbaßer kain man lenger Spitze an seinen Schuhn tragn möge dann zwayer finger glid lang [...]"

Um vor allem die besseren Schuhe vor dem Dreck und Unrat auf den Strassen zu schützen, wurden darunter hölzerne Trippen getragen, eine Art Holzsandale bestehend aus einer Holzsohle und einem oder mehreren Lederbändern, in die der Schuh bequem schlüpfen konnte. Auch hier gab es, je nach Schuhform, zu der sie passen sollten, einige verschiedene Formen, mal mit nur einem Lederriemen über dem Fußballen, deutlich seltener mit einer zusätzlichen Fixierung um den Knöchel - die Trippe hatte dann ein Gelenk unter dem Ballen, um bequemes Gehen zu gestatten.

 

Quellen und Literatur

  • Regensburger Kleiderordnung von 1485, Gemeiners Nachlaß K.16, HSTA München
  • Pfälzer Kleiderordnung von 1465, HStA München, Neuburger Copialb. Bd. 10, Fol.242.
  • Liselotte C. Eisenbart, Kleiderordnungen der deutsche Städte zwischen 1350 und 1700, Göttingen 1962, S. 147f.
  • Tomasz Nowak, Die Regensburger Kleiderordnung von 1485 -  Einordnung und Transkription (derzeit in Überarbeitung, bald wieder verfügbar)
  • C.Willett, Phillis Cunnington, The History of Underwear, New York 1992, S. 23ff
  • Ilse Fingerlin, Seltene Textilien aus Kloster Alpirsbach im Norschwarzwald, ZHWK 60 (1997), S. 99-122.
  • Claudia Kusch, Patrizia Mignani, Raffaella Pozzi, Redire 1427-2009 :  Ritorno alla luce : Il restauro del Farsetto di Pandolfo III Malatesti  (I quaderni del Museo, n. 2), Faro 2009.
  • Else Ostergard, Woven into the earth: Textiles from Norse Greenland, Aarhus 2004.
  • Christiane Schnack, Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz (Landesdenkmalamt Baden-Württemberg. Materialhefte zur Archäologie. Bd. 26), Stuttgart 1994.
  • Ilse Fingerlin, Der Lederabfall, in: Matthias Untermann, Die Latrine des Augustinereremiten-Klosters in Freiburg im Breisgau (Landesdenkmalamt Baden-Württemberg. Materialhefte zur Archäologie. Bd. 31), Stuttgart 1995.