Die Ergebnisse unserer bisherigen Recherche zur bayerischen Nationalgarde III. Klasse - und ein paar Worte zu der geplanten Darstellung

 

Die Tradition einer bürgerlichen Milz in Städten geht auf das späte Mittelalter zurück, schon damals gab es Vorschriften, die je nach Einkommen den Bürgern eine bestimmte Bewaffnung und Rüstung vorschrieben. Diese Bürger wurden dann im Bedarfsfall zu den Waffen gerufen, um sich am Kontingent ihrer Stadt zu beteiligen. Diese Tradition lebte bis ins 19. Jhdt in Bayern fort, die einzelnen städtischen Bürgerwehren wurden aber 1807 abgeschafft und durch das neue Bayerische Bürgermilitär ersetzt, das nun sowohl einheitlich geregelt wie auch zentral koordiniert wurde.

Die Zusammensetzung, Pflichten und Organisation des Bürgermilitärs, die einen Grundstock für die spätere Nationalgarde III. Klasse setzte,  wurde am 3. April 1807 von König Max I. Joseph in einer Verordnung verkündet. So mußten alle erwachsenen Bürger (es gab berufsbezogene Ausnahmen) bis zum 60.sten Lebensjahr sich für das Bürgermilitär mustern lassen; wichtig war neben der körperlichen Tauglichkeit auch ein guter Leumund, das Bürgerrecht war eine Voraussetzung, ins Bürgermilitär eintreten zu können.

Fast genau 2 Jahre nach der Gründung des Bürgermilitärs, nämlich am 6. April 1809, wurden alle militärischen Einheiten, die nicht zum regulären Heer gehörten, zur aus drei Klassen bestehenden Nationalgarde umgebildet, das Bürgermilitär wurde hier zur Nationalgarde III. Klasse.

Anders als in anderen deutschen Staaten war die Aufgabe des bayerischen Bürgermilitärs, und später seiner Nachfolgerin, der Nationalgarde III. Klasse, nie der Kampf gegen den Feind von außen, auch nicht im Fall eines Einfalls über die Grenzen des Königreiches; dies wurde bei der Schaffung der Nationalgarde im Jahre 1809 deren I. (Reservebatallione) und II. Klasse (Mobile Legion) vorbehalten. hatte vor allem die Aufgabe „[…]den friedlichen, rechtlichen Einwohner zu beschützen und die Wirkungen des Gesetzes gegen polizeiliche Vergehungen und das Verbrechen zu  unterstützen.“, also Recht und Ordnung in den Städte, sowie vor allem auf dem Land zu sichern. Neben den Polizeiaufgaben versah es auch den Garnisonsdienst bei Abwesenheit der normalerweise stationierter Truppen und es war zu Wachdienst in Städten und Dörfern und Sicherheitspatrouillen verpflichtet, um „[…]die Umgebungen vor allem, der öffentlichen Ruhe und Sicherheit gefährlichen Gesindel rein zu halten.“. Mit Gesindel sind hier, neben Hausierern, Deserteuren usw. auch kleinere und größere Diebes- und Räuberbanden gemeint, die im späten 18. und frühen 19. Jhdt. im gesamten Königreich tätig waren2 Die Sicherheitspatrouillen hatten aber auch innerhalb der Städte und Dörfer den Zweck, die Einhaltung der Abendruhe in Schenken und Wirtschaften durchzusetzen – ab 22:00 Uhr sollten sie den Gästen dort „[…]mit aller Art und Höflichkeit begegnen und ihnen die Zeit zum nach Hause gehen kund machen[…]“; der Patrouille war es nebenbei strengstens verboten, „[…]selbst zu zechen oder einen Trunk oder noch weniger Geschenke anzunehmen.“. Auch unterlagen dem Bürgermilitär die Aufgaben des Feuerpiquets, also der Feuerwache und der Löschung von Feuern im Falle eines Brandes.

 

Schon seit ihrer Aufstellung 1807 bekam das Bürgermilitär eine einheitliche Uniformierung, die sich ganz nach dem Geist der Zeit richtete (und noch stark im 18. Jhdt. verwurzelt war): neben einem mit bis an die Kniekehlen reichenden Schößen versehenen Frackrock gehörte ein militärischer Zweispitz und schwarze hohe Gamaschen dazu. Die jeweiligen Farben unterschieden sich je nach Waffengattung (dunkelblauer Rock & Hose für die Füsiliere, grüner Rock & graue Hose für die Jäger, s. Bilder unten). Diese Uniform bestand bis 1814, bis sie von der hellblauen Uniform mit Zylinder und langem Rock ersetzt wurde. Beide Uniformen sollte jeder Stadtbürger selbst beschaffen, sie waren jedoch keine Pflicht (dies kam erst 1826, als der Besitz einer kompletten Uniform als eine Voraussetzung zum Erlangen des Bürgerrechts wurde). Für die Landbevölkerung, die sich auch an der Nationalgarde III. Klasse beteiligen mußte, wurde lediglich eine weiß-blaue Armbinde vorgeschrieben.

 

Zeitgenössische Darstellungen :

 

Darstellung

Auch wenn es durchaus reizvoll wäre, eine kleine Einheit uniformierter Nationalgarde III.Klasse dem Publikum zu präsentieren, ist dies vorerst als feste Darstellung nicht geplant - denn es fehlt schlicht an Veranstaltungen, in deren Rahmen man dies zeigen könnte. So bleibt dieses Projekt - auch wenn genug Quellen bezüglich der Uniform usw. vorliegen - ein Theoretisches und eher ein Forschrungsobjekt. Was wir aber machen, ist die bäuerliche Version der Nationalgarde bei div. Dorfbelebungen, z.B. in den Freilichtmuseen in Bad Windsheim und Neusath-Perschen, als Teil der gesamten Darstellung mit einfliessen zu lassen. So können die Besucher die Grundzüge erfahren und auch sehen, auch wenn die volluniformierte Darstellung vorerst nicht geboten wird.

 

 

Quellen