1460-1475: "Evocatio Ratisbonensis"

Die Zeit zwischen 1460 und 1475, also das späten 15. Jhdt. wird von unserem ersten Darstellungsprojekt "Evocatio Ratsbonensis1470" abgedeckt, mit dem auch unsere Beschäftigung mit lebendiger Geschichtsdarstellung anfing. Nach kurzer Anlaufzeit begannen wir 2002 damit, Regensburger Geschichte in der  2. Hälfte genauer zu recherchieren und eine Darstellung der "einfachen Menschen" aufzubauen - die Prämisse war dabei, in versch. Berufsdarstellungen zum einen Schnitt durch den größten Teil der damaligen Bevölkerung Regensburgs zu zeigen, ohne in die "Extreme" des Patriziats oder der armen Unterschichtenabzurutschen, da beide in der Darstellung problematisch sind. Parallel kam auch der militärische Teil des städtischen Lebens dazu, die Darstellung eines Teils des Stadtaufgebots.

Durch die damals wachsende Darstellungsszene hatten wir in relativ kurzer Zeit sowohl ca. 15 feste Mitglieder, wie auch einen größeren Kreis von Freunden gesammelt, die immer wieder an unseren Veranstaltungen teilnahmen oder mit uns Größere besuchten. Dieser Kreis war auch der Nukleus des Regensburger Reenactment Stammtisches, mit dessen Teilnehmern wir seit einigen Jahren öfters sog. "Multiperiod"-Veranstaltungen, bei denen Darsteller verschiedener Epochen einen Aspekt jeweils aus ihrer Zeit aus gesehen, vorführen. Und auch wenn die Stammbesetzung von "Evocatio Ratsbonensis1470" mittlerweile wieder kleiner geworden ist, so können wir, zusammen mit befreundeten Darstellern und Darstellungsgruppen auch größere Veranstaltungen mitgestalten.

Dieser Schiene sind wir einigermaßen, d.h. mit kleinen Veränderungen der Darstellungsweise, treu geblieben - unser Repertoire umfaßt die Darstellung verschiedener Berufe aus dem späten Mittelalter, die Vorführung der dazu gehörenden Techniken (bei einigen Berufen, wie z.B. der Hebamme oder dem Büttel/ Boten ist dies live schwer möglich). Ebenso demonstrieren wir bei Modenschauen die Unterschiede wie auch Gemeinsamkeiten zwischen der Kleidung heut und vor 550 Jahren und erklären, warum die Kleidung früher so aussah, wie sie auf zeitgenössischen Bildern dargestellt wird, was praktikabel war und was - genau wie heute - reine Auswüchse der Mode waren. In ähnlicher Weise zeigen wir spätmittelalterliche Waffen und Rüstungen sowie ihre Wirkungsweisen und erklären, wo unserer heutigen Vorstellungen davon von romantischen Vorstellungen des 19. Jhdts verfälscht werden. Eine Beschreibung der dabei benutzten Darstellungsarten - also des "Wie macht ihr das genau?" -  findet sich unter "Recherche - Konzepte der Darstellung".

 In dieser Rubrik sind nun Bilder und Berichte von Veranstaltungen der letzten Jahre zusammengefaßt, bei denen wir in der o.g. Zeitschiene tätig waren. Viel Vergnügen.

Einer unser ältesten Eintagesauftritte in Regensburg - der Internationale Tag des Denkmals. Wir sind hier, mit Pausen, weil wir nicht ins jeweilige Thema passten, bereits seit 2004 dabei. Bei den stets wechselnden Themen versuche wir auch, unsere Vorführungen etwas anzupassen, und so den Besuchern, die teilweise jedes Jahr wieder kommen, wie auch uns etwas Abwechslung zu bieten.

2009 stand das große interne Treffen der Gruppen des Reichsaufgebotes  in Hinterweidenthal unter dem Thema "Soester Fehde". Wir haben hier also vor allem den Ablauf der  Vorführungen bei dem Sturm auf die Soester Mauer trainiert. Aber auch die sonstigen Aktivitäten, wie Drill, Deckenmarkt usw. kamen nicht zu kurz.

Zum 500. Gründungsfest der Marienstiftskirche veranstaltete die Gemeinde Lich am 28. und 29. Mai 2011 ein Stadtfest, bei dem auch ein kleiner Teil - dieser wurde von Geschichtsfenster.de organisiert - Handwerk und Alltag aus der Zeit der Gründung zeigte. Die sowohl um als auch in der Kirche stattfindenden Vorführungen beinhalteten neben verschiedenen Handwerken, wie der Herstellung von Taschen, Nesteln und Futteralen, dem Kochen nach erhaltenen Rezepten und der Vorführung und Waffen und Rüstungen, auch die Schreibkunst, das Buchbinden, eine Vorführung zum Thema Reliquien und den Handel mit ihnen, sowie Displays zum Thema der Heilkunst und des Apothekerwesen.

Zum 10-jährigen Bestehen der Dependance des Germanischen Nationalmuseums in der Nürnberger Burg wurden wir vom Nürnberger Aufgebot, dem eigentlichen Veranstalter, eingeladen, am Rahmenprogramm der Feierlichkeiten mitzuwirken und den Besuchern des Museums etwas zur Wehrtechnik des späten 15. Jhdts. vorzuführen und Waffen- und Rüstungsteile zu erklären.

Als Teil des Reichsaufgebotes haben einige von uns an der ersten Soester Fehde-Aufführung teilgenommen. Trotz Probleme mit der Organisation (die wir probiert haben, mit Humor zu nehmen) und dem nicht ganz stimmigen Umfeld hat uns die Veranstaltung durchaus Spaß gemacht, vor allem das Belagerungsszenario war etwas ganz Neues, das wir so bis dato noch nicht gemacht hatten. Eine erneute Teilnahme ist unsererseits jedoch bisher nicht geplant.

Unser Konzept für "Tempus - Zeitenwandel" auf den Rittergut in Dorstadt war, das Aufgebot eines Edelknappen, in diesem Fall Barthold von Rutenberg, der maßgeblich an der Hildesheimer Bierfehde 1485 beteiligt war, darzustellen, und den Besucher in diesem Rahmen das Militärwesen des späten 15.ten vorzuführen, Waffen und Rüstungen zu erklären und einige liebgewonnene Klischees zu beseitigen.